Donnerstag, 11. Juni 2026

Weh-Em (1) - Versuch einer Vorfreude


"Someone told me once that the best World Cup you ever saw was the one you watched when you were 11 years old. Give or take a year or two either side, of course. The appreciation sweet spot is right at the beginning of adolescence, when you're old enough to appreciate the magic of it, but young enough not to understand cynicism." (Paul Howard)

Nachdem die argentinische Mannschaft 2022 das Finale gewonnen hatte, bekam Mannschaftskapitän Messi vom zuständigen Emir übergriffigerweise eine Bisht umgehängt, ein traditionelles halbtransparentes Übergewand. (Man stelle sich vor, der damalige Bundespräsident Rau hätte 2006 dem italienischen Kapitän Cannavaro einen Seppelhut auf die Nuss gesetzt.) Jetzt fragt sich: Was wird Trump mit dem Kapitän der Sieger tun? Zu große Schuhe schenken? Einen Liberace-mäßigen Hermelinmantel umhängen? Den West Wing des Weißen Hauses abreißen und eine Hall Of Fame bauen? Havanna bombardieren?

Oder muss jedes am Ende siegreiche Team, das nicht das US-amerikanische ist, befürchten, von ICE-Beamten hopsgenommen zu werden?

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"Fußball kann eine wunderbare Sportart sein, und er begeistert Millionen Menschen auf der ganzen Welt. Das Spiel verbindet Menschen unterschiedlicher Herkunft, fördert Teamgeist, Fairness und Bewegung. Durch seine einfachen Regeln kann es fast überall gespielt werden und schafft gemeinsame Erlebnisse, die Grenzen von Sprache, Kultur und Alter überwinden. Gerade deshalb gilt Fußball als eine der beliebtesten Sportarten der Welt." (Axel Mayer)

Fußball funktioniert auch fast überall auf der Welt: Außer in Gegenden, in denen mit einem Ei gespielt wird, kann man einfach ein paar Leuten einen Ball geben und sie werden höchstwahrscheinlich anfangen, irgendwie damit herumzukicken. Das verbindet.

Nur muss man diese Sphäre trennen vom Profifußball. Der ist eine Welt für sich. War auch schon zu Zeiten, in denen nicht wie heute das Kapital den Ton angab, kein Streichelzoo. Auf dem Platz artete das nicht selten aus in eine üble Treterei, im Herbst und Winter glich der Rasen nicht selten einem Kartoffelacker, sodass nur mehr lange Bälle nach vorn gedroschen wurden, die Stadien waren unüberdachte, wenig freundliche Orte und es lagen oft Hiebe in der Luft. Ferner sollte man erwähnen, dass vor allem der europäische Clubfußball seit dem Start der Champions League und den diversen Regeländerungen in taktischer, technischer und athletischer Hinsicht einen Quantensprung hingelegt hat. Vor allem bleibt einem bei Clubfußball das patriotische Gepränge erspart.

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Das Aufblasen des Events auf 48 teilnehmende Teams hat für die Spieler zu Folge, dass ihnen im Fall des Finaleinzugs die Sommerpause um eine gute Woche gekürzt wird und sie mit dem Sechzehntelfinale eine K.O.-Partie mehr zu bewältigen haben, die theoretisch in die Verlängerung gehen kann. Das verstärkt den Trend, dass Topmannschaften im Prinzip zwei vollzählige A-Aufstellungen im Kader haben müssen, um die immer steigende Zahl von Pflichtspielen gegen immer stärkere Gegner plus immer größere Turniere bewältigen zu können. Da helfen auch keine verbindlichen Trinkpausen, a.k.a. zwei Slots mehr pro Spiel für Werbespots.

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Will man Fußball-Weltmeisterschaften wirklich genießen, muss man eigentlich immer jede Menge ausblenden. 1974 war es das dauernde Sauwetter, von dem meine Eltern erzählten, 1978 musste man die mörderische Militärjunta wegignorieren, 1982 in Spanien die GAL, die mit Folter und Mord gegen die ETA vorging, 1998, soweit möglich, die Brutalität jener deutschen Hooligans, die den Gendarmen Daniel Nivel fast zu Tode traten, 2006 die sehr wohl vernehmbaren rassistischen Misstöne des 'Sommermärchens', 2010 das permanente Vuvuzela-Getute, 2022 die Tatsache, dass die Infrastruktur von quasi rechtlosen Heloten errichtet worden war, von denen etliche ums Leben kamen. Aktuell sind das die Machenschaften des korrupten Duos Gianni Infantino und Donald Trump.

"2026 ist das erste Mal, dass ein WM-Gastgeber in einem völkerrechtswidrigen Krieg mit einem teilnehmenden Land verwickelt ist. Zum ersten Mal dürfen Bürger von vier Teilnehmerländern nicht zum Turnier einreisen. Zum ersten Mal, droht der Staatschef eines Gastgeberlandes offen damit, den einen Mitgastgeber zu annektieren und hat Handelsabkommen mit dem anderen aufgekündigt. Zu eskapismus-feindlich ist zudem Infantinos Schulterschluss mit Trump und die FIFA-Politik des „Mehr ist Mehr“. Selbst das Sympathische ist durch das Aufblasen des Turniers zu einem 48-Mannschaften-Gigantomanen entwertet worden." (Philipp Köster)


Das Trump-Regime ist bereits zuverlässig in die Falle getappt, in die alle Autoritären tappen. Sie glauben, die Kontrolle zu haben, aber das ist bloß Selbsttäuschung. Und sie kapieren nicht, dass sie oft das Gegenteil von dem erreichen als sie beabsichtigen. Der somalische Schiedsrichter, der wieder nach Hause fahren musste, ist daheim in Somalia jetzt ein Volksheld.

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Mein Tipp vor Turnierstart: Auf dem Papier Frankreich oder Spanien. Titelverteidiger Argentinien könnte das Problem haben, das Spiel immer noch sehr am älter und damit verletzungsanfälliger werdenden Messi auszurichten. Und die deutsche Mannschaft? Gehört zum erweiterten Kreis der Geheimfavoriten. Peter Neururer sagte richtig, die Truppe sei eine Wundertüte, habe aber genügend gute Leute dabei, um das Zeug zur Überraschungsmannschaft zu haben. Allerdings auch in negativer Hinsicht.










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