Montag, 18. Juni 2018

Apocalypse Now


Formulieren wir höflich und sehen wir das Positive: Elf freundliche Mexikaner sorgten gestern für eine ungestörte Nachtruhe. In der untergangsbesoffenen Journaille aber tut man so, als sei's wieder '45. Na gut. Bisschen dick aufgetragen. Sagen wir 2000. Jene Stunde null, da Der Deutsche FußballTM offiziell am Boden lag.
(Süddeutsche Zeitung)
  

(taz)

(11 Freunde - immer zu empfehlen!)

"Wo warst du", werden künftige Generationen dermaleinst uns fragen, "an jenem Tag, da das Vaterland schmählich unterging, als Montezumas Rache über Jogis Jungs hinwegfegte? Als das unaufgewachte Multikultideutschland die Quittung bekam für Merkel und der Untergang auch auf dem Platz offiziell begann?"

Mit derlei düsterem Tremolo als Orgelpunkt wird nämlich, von rühmlichen Ausnahmen wie den obigen abgesehen, schon jetzt gebarmt, als gelte es den Rolf-Peter Sieferle-Gedächtnispreis für nationalapokalyptisches Geschwummse zu erringen. Und stellt damit sehr schön unter Beweis, dass man in weiten Teilen bei der Vierten Gewalt längst nur noch auf Sieg! gepolt ist. Nicht auf Sport, wo immer alles passieren kann.

Aber die Statistik! 2002 ist der amtierende Weltmeister Frankreich, 2010 der amtierende Weltmeister Italien und 2014 der amtierende Weltmeister Spanien jeweils in der Vorrunde ausgeschieden. Wehe, wehe, Menetekel. Kann doch gar nicht mehr gutgehen.

Jo. 2010 hat übrigens der spätere Weltmeister Spanien das Auftaktspiel 0 : 1 gegen die Schweiz vergeigt. Merkste, ne?

Im Ernst. Wie auch immer es weitergeht: Wenn liebedienerische, weitgehend distanzlose, Die MannschaftTM dauerabfeiernde Sportjournalisten sich freundlicherweise ihres Jobs erinnern und wieder kritischer aufträten und sich auch mal locker machten, wäre das für die meisten Beteiligten eine nicht eben ungute Entwicklung.

P.S.: Aus aktuellem Anlass sind die Beiträge zur WM 2014 und zur EM 2012 wieder online. 



Kommentare :

  1. Ich versteht nichts von Fußball und werde nie was davon verstehen, aber das eine weiß ich: Die letzte WM mit „Weltmeister Deutschland“ hatte mit Fußball weniger als nichts zu tun.

    Warum? Ich habs im Fernsehen gesehen. Jeder einzelne Ball rollte – locker, friedlich, ungeschubst, nur vom Winde verweht – ins feindliche Tor. (Das „feindliche“ kann nur Zufall gewesen sein.)

    Ein bisschen „deutsch“ habe ich mich bei jeder WM gefühlt, als „wir“ die Weltmeister waren. Diesmal nicht. Diesmal hat nicht das Können gesiegt. Diesmal was der „Böse“ im Spiel.

    Also mit „diesmal“ mein ich „letztes mal“, natürlich.

    Das erzählt euch die freundliche Nervensäge Wolf-Dieter Busch, die vom Fußball Ahnung hat wie ein Baumstamm.

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    1. @Wolf-Dieter Busch

      "Ich versteht nichts von Fußball und werde nie was davon verstehen, aber das eine weiß ich:... "

      Dann hör doch endlich mal auf, zu allem Deinen Kommentar abzusondern. Ist das nicht auch unendlich entspannend mal die eigene Labertasche zurückzunehmen?

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    2. @WDB: Ich weiß nicht, welche WM du 2014 gesehen hast, aber bei meiner gab es exakt zwei Spiele der deutschen Mannschaft, bei denen jeder einzelne Ball locker rollte, nämlich das erste Gruppenspiel gegen Portugal (4:0) und das Halbfinale gegen Brasilien (7:1). Alle anderen Spiele bis hin zum Finale gegen Argentinien (1:0 n.V., es floss Blut) waren sehr enge, umkämpfte Kisten, z.B. die mühsamen 1:0-Siege gegen Frankreich und die USA, die durch Freistoßtore entschieden wurden, oder das 2:2 gegen Ghana. Für das 2:1 gegen Algerien musste man auch in die Verlängerung. Never mind.

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    3. @Stefan Rose – ich habe zwo funktionierende Augen und das entscheidende Spiel gesehen (Finale). Alle vorhergehenden, die du beschreibst, mögen spannend abgelaufen sein – kein Widerspruch. Das Finale – und nichts anderes – habe ich beschrieben, und ich habe Recht. Es war nach allen Regeln der Welt eine Schande.

      Übrigens – nach Hörensagen – hat die Zeitung mit den schönen großen Buchstaben anschließende jedem einzelnen Tor eine eigene Seite gewidmet. Also hat auch diese WM wirtschaftlich ihre guten Seiten – was willst du mehr?

      @Troptard – ich schweig ja schon.

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    4. Nachtrag. Einer der Leute, die ich auf der Beobachtungsliste halte, hat zu diesem Endspiel berichtet, dass er bei Halbzeit sich ins Bett verfügt und stattdessen Darwins „Entwicklung der Arten“ geschmökert hat, weil interessanter. Das nenne ich Stil.

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