Mittwoch, 27. Juni 2018

Jenseits der Blogroll - 06/2018


So, alles rollt die schwarzrotgüldenen Feudel wieder zusammen, packt die Fanartikel in die Mottenkiste und geht nach Hause. Sinniert vielleicht darüber nach, ob das grottendämliche Verhalten zweier DFB-Angestellter am Samstag die Schweden vielleicht noch extra motiviert haben könnte, den Mexikanern einen reinzutun. Müßig. National Tickende können sich entweder bestätigt sehen oder es sich als Verdienst anrechnen, es zwei Spielern mit Migrationshintergrund richtig gegeben und sie schwachgepfiffen zu haben. Wenn sie mögen. (Gewissen Leuten ist da einiges zuzutrauen.) Oder man nutzt als Fußballfan die nächsten zwei Wochen, um Mannschaften bei der Arbeit zuzuschauen, die den Job können. Und ja, okay, ich lag falsch mit meiner Prognose, ein Vorrundenaus der deutschen Mannschaft für unwahrscheinlich zu halten.


Um mit dem legendären SGE-Trainer Dragoslav Stepanović zu reden: "Lebbe geht weiter." -- Zeit also, sich wieder um wichtiges zu kümmern. Die Linx des Monats zum Beispiel. Überfällig. Man ist ja zu gar nichts mehr gekommen bei all dem Fußball.

Politik/Gesellschaft. Okay, der könnte weh tun. Also lesen Sie diesen Artikel auf keinen Fall. Es handelt sich nämlich um Putin-Bashing reinsten Wassers. Unerträgliche, widerliche Hetze. Transatlantiker-Geschwalle. Schamlose Propaganda des verlogenen, moralisch verkommenen Westens gegen das arme, von ihm eingekreiste Russland. Wo es viel, viel cooler und liberaler zugeht als man denkt. Ein Sommermärchen mit ganz vielen tollen Gay-Bars. Alles supi bei Vladi. Lassen Sie sich nicht irre machen: Der Westen ist böse. Gucken Sie weiter Russia Today und Weltnetz TV. Und Satire. Wegen Gegenöffentlichkeit. Das wird die etablierten Parteien und Medien lehren!

"Ein Arschloch zu sein, ist ja wieder schick geworden." (Karl-Herrmann Leukert) Scheint so.

Bayern ist ein Rätsel. In keiner anderen mir bekannten Gegend des Landes klaffen politische Außenwirkung und persönliche Eindrücke aus Begegnungen mit den meist herzlichen, gelassenen und sozial eingestellten Bewohnern so auseinander (nirgends sonst hat es gerade während der so genannten Flüchtlingskrise so viel ehrenamtliches und zivilgesellschaftliches Engagement gegeben). Wolfgang Michal klärt auf, wie es zu dieser Diskrepanz kommen konnte.

Teilen ist schön. Teilen ist sozial. So bekommen wir’s schon in der Kita beigebracht (es sei denn, wir waren in einer sauteuren privaten Elitekita‚ in der der Edelnachwuchs unter sich ist). Ins Gegenteil umschlagen kann die schöne Übung des Teilens allerdings, wenn sie unter die Räder der Sharing economy, bzw. ins Räderwerk des digitalen Plattformkapitalismus gerät.

Georg Seeßlen über die Rhetorik der Rechten.

Bernhard Torsch nähert sich recht ausführlich der Frage, was das eigentlich genau ist, dieser Faschismus.

Wirtschaft/Soziales. Heiner Flassbeck im Interview über die aktuelle Entwicklung in Europa - und die Frage, ob Europa sich überhaupt noch retten lässt.

Judith Sevinç Basad: Der Mythos vom Gender Pay Gap. Dem Feminismus wäre meines Erachtens ein echter Dienst erwiesen, wenn man/frau aufhörte, wider besseres Wissen mit falschen Zahlen zu arbeiten.

Je heftiger die Axt an den Sozialstaat gelegt wird, desto vehementer wird charity propagiert. Mildtätige Reiche, über die das Märchen im Umlauf ist, sie könnten qua ihres Reichtums besser und effizienter mit Geld umgehen als Staaten, sollen mit Spenden und Stiftungen jene Lücken füllen, die man zu ihren Gunsten gerissen hat. Was natürlich bloß ein frommer Wunsch ist. 

Kultur. Stefan Gärtner verreißt Thea Dorns "aufgeklärt patriotische Altkleidersammlung" 'Deutsch, nicht dumpf'. Künstler und Literaten (denen zu Unrecht der Ruf vorauseilt, a prori links bzw. progressiv zu sein) hatten schon immer ein feines Näschen, wer ihnen in Zukunft die Honorare zahlen könnte und können da mitunter recht flexibel sein.

Gleich um die Ecke liefert Michael Sailer eine großartige Analyse von Christian Krachts Kokovorentravestie 'Imperium'. Schon der Titel ist verlockend: 'Dumm wie Schiffszwieback'.

Henriette Hell über "Funktionsjacken-Weicheier" bzw. deutsche Jack Wolfskin-Mannsbilder Anno 2018. Banal, aber gut beobachtet.

Eating, drinking, being merry. Ich sag’s ja, Bier zapfen ist mehr als Gläser vollmachen und erst recht nichts für Dilettanten.

Gekocht wird auch wieder. Dieses Mal machen wir uns an einem vermeintlichen Allerweltsessen zu schaffen, das in vielen Haushalten zum festen Repertoire gehört. Bolognese. Das bedeutet dann meist Spaghetti mit einer Hackfleisch-Tomatensauce. Das kann fraglos lecker sein, hat aber mit einem ragù, wie das in und um Bologna heißt, oft nur sehr am Rande zu tun. Allein schon, weil Spaghetti verpönt sind, da zu filigran. Auch wenn das eine Originalrezept nicht existiert, gibt es immer wieder Versuche, da Perfektion zu erlangen. Wer sich die Nerd-Version von Heston Blumenthal nicht antun will, deren Zubereitung mehrere Tage dauert, ist mit Tim Mälzers Variante, die auch auf Hackfleisch verzichtet, meiner Meinung nach am allerbesten bedient. Das ist zwar immer noch einiges an Arbeit, das Ergebnis aber lohnt nicht nur den Aufwand, sondern lässt sich auch prima auf Vorrat kochen.





Kommentare :

  1. Ich darf in aller Bescheidenheit auf meine Bolognese verweisen: Mit 4-5 Stunden noch machbar, und nun ja, ziemlich gut... http://www.chris-kurbjuhn.de/?p=685

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    1. Ein sehr schönes Rezept. Den Trick mit der Salsicchia kannte ich noch nicht. Steinpilze kommen bei mir auch immer rein, gehackte Hühnerleber nur, wenn ich mit Hackfleisch arbeite (bei der Mälzer-Variante werden Knochen und Schwarten mitgeschmort, da vermisse ich nichts). Ich empfehle übrigens, immer ganz frisch durchgedrehtes Hack nehmen, wer den Unterschied einmal geschmeckt hat, ist verdorben für alles andere.

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  2. Als gegen Korea ausnahmsweise mal Özil flankte, wurde es sofort gefährlich, im Gegensatz zum Rest vom Spiel, als man es in schon zwangspathologischer Weise versuchte, Kimmich ins Spiel zu bringen, was dann eben nicht wirklich schwer auszurechnen war.
    Aber der ist ja vom FC Bayern und hat deshalb Recht.
    Und ohne mit rechtslastigen Türken in irgendeiner Weise zu sympathisieren, es ist halt leichter, zwei Kanaken auszupfeifen als Kritik an hochwohlgeborenen Fußball-Münchnern zu üben.
    Das Problem hatte der an sich gute Löw schon immer, nur hatte "die Mannschaft" 2014 das Glück, daß Schweinsteiger verletzt war und der Mannschaft nicht schaden konnte.

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