Mittwoch, 15. Juli 2026

Vermischtes und Zeugs (CLIV)


Beim Benzinpreis galt vermutlich noch nie wirklich 'freie' Marktwirtschaft oder 'freier' Wettbewerb. Ich erinnere mich, als ich in den Neunzigern als Student an einer Tanke jobbte. Jeden Samstag kam vormittags ein Anruf der benachbarten Tankstelle von der Konkurrenz in 500 m Luftlinie: Man habe soeben die Preise für alle Sorten um x Pfennig pro Liter erhöht. Daraufhin: "Che-hef! Soundsoviel Pfennig ra-hauf!" -- "Ist gut, ich stell das gleich um. Ruf mal eben die nächste Tanke von der Konkurrenz an und sag' Bescheid!" -- "Geht klar!" Man kannte sich, man half sich.

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Wir bildeten uns ein, je weniger man auf das Körperliche setze, desto stärker strahle das Geistige. Es kam mir und meinen Kommilitonen nicht in den Sinn, dass man auch auf gute Gedanken kommen könnte, ohne gleichzeitig am baldigen Ableben zu arbeiten.“ (Tillmann Prüfer)

Das Ausmaß des Kulturwandels, den wir durchleben, lässt sich sehr schön daran studieren, wie sich das Ess- und Konsumverhalten junger Menschen aus im weitesten Sinne bürgerlichen Kreisen gewandelt hat. Zu Studienzeiten habe ich es gehalten wie Tilmann Prüfer: Meinem Körper gegenüber eine nonchalante Verachtung an den Tag gelegt, wie das in der Arbeiterklasse und unter selbst ernannten Geistesmenschen damals durchaus verbreitet war. Nudeln, Pommes, Imbissbude, Tieffühlpizza, Dosensuppe. Das war billig, denn es musste ja noch Geld für Bier und Zigaretten übrig sein. Gesunde Ernährung war das, was einem schmeckt, Diät zu halten oder regelmäßig Sport machen, war was für Diabetiker, Sportstudenten und die Jungs vom Fußballverein (wiewohl die das durch regelmäßige Besäufnisse zum Teil wieder kompensierten), Vegetarier waren eine Minderheit, Veganer galten als Spinner.

Heute scheint zumindest die akademische Jugend gründlich ernährungsdurchberaten. Proteine, hochwertige pflanzliche Fette, Ballaststoffe, Clean Eating, Longeivity, regelmäßig ins Gym, kein Alkohol. Keine Ahnung, woher dieser Switch kommt. Mag sein, dass wir damals in den Achtzigern immer im Hinterkopf hatten, wenn Amis und Russen irgendwann den roten Knopf drückten, was eh nicht mehr lange dauern würde, dann wäre es das eh gewesen, gesund leben hin oder her, also was soll’s. Vielleicht weil die Kirchen noch mehr gesellschaftlichen Einfluss hatten, die Jenseitserzählung unterbewusst virulenter war und damit der Gedanke, dass das Diesseits doch nicht die letzte Instanz sei. Oder unsere einst noch lebenden Großeltern, die den einen oder anderen Weltkrieg mitgemacht hatten und uns immer wieder vermittelten, wie schnell alles vorbei sein kann.

Längst gehe ich mehrmals die Woche Schwimmen, das Rauchen habe ich auch schon lange aufgegeben und da ich mich seit ein paar Jahren mit Diabetes zu befassen habe, achte ich auf meine Ernährung. Weniger Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Proteine, Gemüse, möglichst wenig Zucker und Weißmehl etc. Dann habe ich irgendwann festgestellt, dass ich es mit schlaflosen Nächten bezahle, wenn ich nachmittags noch Koffein zu mir nehme. Also nach dem Mittagessen nur noch koffeinfreien Kaffee, und der geliebte Nachmittagstee fällt außerhalb von Urlauben auch immer öfter aus. Ich sehe schon mich irgendwann in zehn Jahren, wenn der einsame Höhepunkt der Woche eine Tasse echter Bohnenkaffee am Samstag sein wird. 

Was bleibt ist, sich am Wochenende mal gepflegt einen zu zwitschern. Und jetzt gerät zunehmend Alkohol in den Fokus der Selbstoptimierer. Jeder Tropfen sei einer zu viel, heißt es. Wenn man mal zurückrechnet als Ex-Raucher: Zirka 25 Jahre hat es meiner Wahrnehmung nach gedauert, Rauchen weitgehend zu tabuisieren und Raucher:innen das öffentliche Leben maximal schwer zu machen. Wenn diese Schlagzahl beim Alkohol auch greift, sollte das reichen für die statistische Restlaufzeit. 

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Ende der Achtziger hatten wir eine US-amerikanische Austauschschülerin bei uns in der Stufe. Einmal erzählte sie, dass die Organisation, über die der Austausch lief, alle zu einer Besichtigungstour ins Regierungsviertel nach Bonn eingeladen habe. Die jungen Amerikaner:innen hätten sich zwischen Kaputtlachen und Unverständnis bewegt und sich gar nicht mehr eingekriegt, als sie sahen, von was für einem popeligen Barackenquartier aus da Weltpolitik gemacht worden sei. Tempi Passati.

Der Umzug nach Berlin hat der deutschen Politik definitiv nicht gut getan, wie Kollege Kümmerle richtig anmerkt. Alles umweht inzwischen mehr als nur ein Hauch von Großmanssucht und Klotzigkeit. Nicht nur leistet man sich das drittgrößte Parlament der Welt, sondern knallt jetzt auch  mit der Verdopplung des Kanzleramtes eine der weltweit größten Staatskanzleien in die Gegend. Und wo wir gerade dabei sind, muss der Präsidentensitz Schloss Bellevue, der bereits vor 20 Jahren generalsaniert wurde, jetzt auch unbedingt für Abermillionen gemacht werden. Das werde aber keine Luxussanierung, so wird betont, es werde nur das Nötigste gemacht auf einiges sogar verzichtet. Fun fact: es ist zu erwarten, dass die Politik wird sich durch die Baumaßnahmen nicht grundlegend verbessern wird. 

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Donald Trump hat dem Iran mal wieder die völlige Vernichtung angekündigt. Beim 25. totalen Sieg des POTUS über die Mullahs gibt es vermutlich goldene TRUMP!!!-Handys für alle. Als Kaufoption, versteht sich. 

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Abt.: Ladenhüter...



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Ein Nachtrag noch zur Idiotie mit dem Entgeltfortzahlungsgesetz. Die Neuregelungen werden höchstwahrscheinlich nicht zu weniger, sondern zu deutlich mehr Krankheitstagen führen. Wer am Montagmorgen malad aufwacht und nicht weiß, ob es in zwei oder drei Tagen besser gehen wird und nicht mehr die Alternative hat, erst am Mittwoch zum Doc zu können, sondern schon am Montag hinmuss, wird vermutlich gleich für die ganze Woche krankgeschrieben. Nicht zuletzt, weil auch die zuständige heilkundige Person mangels Kapazitäten kein Interesse daran haben wird, die erkrankte Person schon am Mittwoch wieder auf dem Stühlchen sitzen zu haben. So kommt's eben, wenn welche das Sagen haben, denen als einzige Antwort auf alles immer nur Repression einfällt.








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