Mittwoch, 28. Oktober 2026

Amtlicher Lichtblick?


Michael 'Bully' Herbigs Fortsetzung von 'Der Schuh des Manitu' ist ein fades Filmchen. Aber vielleicht gibt es doch Hoffnung.

Vor einem Vierteljahrhundert habe ich mir tatsächlich den Film 'Der Schuh des Manitu' im Kino angeschaut. Eigentlich mehr eine alberne Nummernrevue, war das so etwas wie ein letztes Aufzucken der Spaßgesellschaft der Neunziger, wo man alles irgendwie ironisch durch den Kakao zog und verwitzelte. Doch habe ich mich stellenweise durchaus amüsiert, fand aber, dass 82 Minuten auch wirklich genug waren. (Bin ich eigentlich der einzige, dem diese über-überlangen Filme gewaltig auf den Nerv gehen?) Knapp 25 Jahre später kam die Fortsetzung namens 'Das Kanu des Manitu' in die Kinos und ich konnte mich beherrschen. Als ich aber letztens so durch Netflix stöberte und ich gewahr wurde, dass sich das streamen ließ, siegte meine Neugierde. Zumal auch dies  Werkchen deutlich kürzer ist als neunzig Minuten, die dafür geopferte Restlebenszeit sich also im vertretbaren Rahmen halten würde.

Die Handlung? Abahachi (Herbig) und Blutsbruder Ranger (Christian Tramitz) werden verhaftet, weil ihnen einen Reihe von Überfällen zur Last gelegt werden. Dahinter steckt aber eine Bande unter Führung von Lucy 'Der Boss' Jane (Jessica Schwarz), die im Auftrag des sinistren Ölbarons Santamaria (Sky Dumont) das legendäre Kanu des Manitu finden soll, wofür es allerdings einen echten Apachen braucht. (Spoiler: Das Kanu, um das es geht, ist ein MacGuffin und Abahachi ist genetisch gar kein echter Apache, sondern wurde adoptiert.) Womit vermutlich die Absurdität identitätspolitischer Debatten und solche um 'kulturelle Aneignung' verhohnepiepelt werden sollen. Was aber nicht recht funktioniert.

Man kann ja gern Zeiten hinterhertrauern, in denen man noch hemmungslos Witze über allerlei Minderheiten machen konnte, ohne dass das jemanden groß störte. Das stimmt zwar nicht, da man schon in den 1970ern und 80ern zunehmend anecken konnte, wenn man etwa verpönte Worte verwendete oder die weibliche Form unter den Tisch fallen ließ, aber egal. Ein paar Jahre vor dem Start von 'Kanu des Manitu' soll Herbig in einem Interview gesagt haben, heutzutage käme sofort die Comedy-Polizei, wenn man nicht höllisch aufpasse. Das ist erstens Quatsch und, da es keine Comedy-Polizei gibt, es sei denn, man schreibt irgendwelchen heißdrehenden Social Media-Schreihälsen entsprechende Befugnisse zu. Zweitens ist das gar nicht so weit entfernt von jenem vor allem in rechten Kreisen verbreiteten Mantra, demzufolge man ja nichts mehr sagen dürfe. Und wenn man es, ohne Konsequenzen natürlich, dann doch tut, immer so: "Ich bin im Widerstand! Sehet meinen Mut!" oder so: "Hoppla, hab ich das gerade wirklich gesagt? Hui, ich bin aber auch ein Schlimmer, ich!".

Der Film jedenfalls versucht, es irgendwie allen recht zu machen. Anders gesagt, tut 'Das Kanu des Manitu' so, als seien keine knapp 25 Jahre vergangen und versucht, das alte Gefühl von damals nahtlos wiederaufleben zu lassen, will aber trotzdem der Tatsache Rechnung tragen, dass die Welt sich doch weiter gedreht hat. Und scheitert damit. Ein bisschen wie die deutsche Autoindustrie. Weshalb der Film wohl hervorragend in das Merz-Deutschland passt. Mehr als fünf Millionen wollten das im Kino sehen.

Immerhin habe ich es an einer Stelle geschafft, mal kurz zu kichern. Weil diese eine Szene mal wirklich überraschend kam. Den Rest der Zeit über habe ich gedacht: Was soll das? Was ist da lustig? Dass da ein Klischeegrieche immer noch Komposita verdreht? Dass allerlei bekanntes Personal durchs Bild läuft und welches von anderswo (zum Beispiel Jim Knopf und Lukas)? Indiana Jones zitiert wird? Wem gefällt so was? Vermutlich vor allem Menschen, die gern in Erinnerungen schwelgen, sich an der stetigen Wiederkehr des Immergleichen erfreuen, es lieben, wenn offene Türen eingerannt werden, das Gefühl genießen, Teil von etwas ein klein bisschen Verbotenem zu sein und gern mit ihrem popkulturellen Wissen angeben.

(Da der Abend noch jung war und nicht derart freudlos enden sollte, habe ich mir direkt danach den nunmehr knapp vierzig Jahre alten, ebenfalls streambaren Klassiker 'Die nackte Kanone' von 1988 angesehen. Und mich achtzig Minuten lang auf das Herrlichste beömmelt. Hier waren echte Könner am Werk, die ihr Handwerk verstehen und vor allem den Unterschied zwischen Komik und Herumalberei kennen.)

Gibt es denn so gar keine Hoffnung für den deutschen Humor mehr, nachdem sich die jüngsten, hier bereits besprochenen und mit großem medialen Tamtam belobhudelten televisionären Witzigkeitsbemühungen 'Doppelhaushälfte' und 'Kacken an der Havel' als öde Rohrkrepierer erwiesen haben? Vielleicht doch. Gerade habe ich angefangen, mir die ARD-Serie 'Nine to five' anzusehen, eine Mockumentary-Sitcom im Stil von 'The Office' und 'Stromberg', in der Friederike Kempter eine in jeder Hinsicht überforderte Ressortleiterin im Berliner Bürgeramt spielt. Die ersten Eindrücke sind zur Abwechslung positiv. Zwar wird nicht das Rad neu erfunden, aber wie Kempter diese Dauerverspannung von Vorgesetzter spielt, bei der die Selbstwahrnehmung als taffe flachhierarchische Managerin permanent kollidiert mit der Realität, das hat durchaus was. Weil das, wie auch die Zeichnung der anderen Figuren, eben kein Holzhammerhumor ist, sondern alles immer haarscharf neben der Spur. Da kann dann schon mal echte Komik entstehen. Immerhin.






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