Montag, 12. Oktober 2026

Vermischtes und Zeugs (CLXI)


Austern sind schon ein interessantes Lebensmittel. Vor der Erfindung moderner Kühltechnik waren sie gleichzeitig Luxusfutter und Arme-Leute-Essen. An der Küste waren die Mollusken massenhaft verfügbar und spottbillig, im Binnenland, wo durch Verderb auf dem tagelangen Transport nur wenige essbare Exemplare ankamen, hingegen sauteuer. Die Regel, Austern nur in Monaten mir 'r' zu essen, hat sicher damit zu tun, dass im Sommer der Transport der nicht konservierbaren Muscheln auch mit teurem Stangeneis quasi gar nicht machbar war.

Davon, dass sie auf Sylt ab den 1980ern anfingen, Pazifische Austern zu züchten und fürs Schampus- und Bussibussi-Publikum als 'Sylter Royal' zu vermarkten, profitieren sie jetzt auf der dänischen Insel Rømø. Dort sind weggespülte und verwilderte Sylter Austern, die sich vermehren, inzwischen im Überfluss vorhanden und ganze Familien decken sich am Strand eimerweise damit ein. Für lau. Ich dachte immer, was nichts koste, sei auch nichts wert. Was kommt als nächstes? Freichampagner für alle?

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Pünktlich zum Ende der Wiesn beginnt in Frankfurt immer die Buchmesse, also quasi das Oktoberfest der Intellecktüllen und derer, die sich dafür halten. Drüben fließt das Bier in Strömen, hüben der Grauburgunder

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BMW hat jetzt sein Angebot an den Landtag Sachsen-Anhalt über die Verlängerung der Dienstwagen zurückgezogen. (Landtagspräsident Rausch fühlt sich auch prompt "diskriminiert".) Jetzt soll Trixi von und zu beim 'A'fD-Fan Elon Musk angefragt habe, ob er nicht mit ein paar Teslas aushelfen könnte. Müssten sie dann nur noch erklären, dass es keineswegs linksgrünwoke ist, in so einer Akkuschubse durch die Gegend gekarrt zu werden, anstatt mit einem patriotisch-hybriden-Heizölferrari.

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Woher kommt eigentlich diese, wie mir scheint, ziemlich deutsche Angewohnheit, die Provinz zu glorifizieren, dieser Hang zum Heimeligen? Also nicht das Landleben, sondern in Klein- und Mittelstädten mit dank der Kriegsbemühungen der Alliierten, der Nachkriegsbemühungen der Deutschen und der Geschäftstätigkeit von Filialketten und Stadtmarketing so lala wiederaufgebauten und oft austauschbar aussehenden Stadtbildern. Hier schlage das wahre Herz Deutschlands, wird medial gern konstatiert.

Sicher hat das auch historische Gründe. Große Politik wurde hier oft in Kleinstädten an der Peripherie gemacht. Eines der bedeutendsten Konzile des Spätmittelalters fand in Konstanz am Bodensee statt. Der Westfälische Frieden wurde in Münster und Osnabrück ausbaldowert. Martin Luther war in Nestern wie Wittenberg und Eisenach reformatorisch tätig. Johannes Gutenberg tüftelte den Buchdruck in Mainz aus. Auch das deutsche Geistesleben fand fern der großen Zentren in Kleinfürstentümern statt. Die deutsche Klassik weitgehend in Weimar, Immanuel Kant dachte nicht im Traum daran, aus dem ostpreußischen Königsberg wegzugehen und bevor Wien nach dem Ende der Türkenkriege zur Musikmetropole und zum place to be für aufstrebende Komponisten wurde, passierte 'klassische' Musik auch eher an kleineren Fürstenhöfen. Erst als Berlin Hauptstadt des Deutschen Kaiserreichs und damit zur ersten wirklichen Großstadt wurde, entwickelte sich ein auch ein entsprechendes Geistes- und Kulturleben.

Nun komme ich selbst aus der Provinz und hause da. Für viele war damals beim Abi bereits Münster die große Welt und sie gingen zum Studieren dorthin. Was schon so einiges heißt. Ich bin geblieben und habe an einer Ruhrpottuni studiert. Gewiss, die Kehrseiten sind manchmal eine gewisse Enge und das verkrampfte Begehren, um Himmels Willen nicht Provinz sein zu wollen, manchmal auch noch ein Ressentiment gegen Großstädte als dekadenten Sündenpfuhl. Trotzdem lässt sich alles in Allem recht kommod leben hier. Und dass irgendwelche Moden erst dann hier ankommen, wenn sie woanders längst wieder vorbei sind, ist mir egal. Aber das irgendwie großartig zu idealisieren? Läge mir doch fern.

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Ich erinnere mich noch, wie ich vorletztes Jahr über die A 1 gen Bremen gondelte. Als die Tankanzeige sich dem roten Bereich näherte, begann ich, nach Tankstellen und Autohöfen Ausschau zu halten. Als ich an der ersten Autobahntankstelle vorbeifuhr, dachte ich: "Meine Güte, 2,20 Euro für einen Liter Super??? Die haben sie ja wohl nicht alle!" Zeiten ändern sich mitunter schnell.

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Vielleicht sind viele Menschen gar nicht politikverdrossen, sondern schlicht genervt von einem bestimmten Poltiker:innentypus?

"Was ist los mit Habeck? Mit Kevin Kühnert, Helge Braun, Heiko Maas und all den anderen Politikern unserer so viel gefährlicheren und zugleich unendlich öderen, von Bürokraten und Feiglingen bewohnten Gegenwart, die immer sofort aufgeben, wenn das, was sie wollen, nicht funktioniert oder eine Wahl verloren geht? Warum haben sie keinen Killerinstinkt mehr, den jeder gute Politiker braucht, egal, wie seine Absichten sind? Warum geben sie zuerst damit an, was sie alles erreichen und verändern wollen und kriegen dann trotzdem nichts hin? Weil der Antiautoritarismus der Achtundsechziger aus harten Deutschen ewige WG-Bewohner gemacht hat, die sich um den Abwasch streiten? Oder weil sie als Kinder der goldenen Achtziger auf Krisen nicht vorbereitet sind?" (Maxim Biller)

Und so werden halt rechte Politclowns gewählt, was nicht nur Gestalten zu politischen Karrieren verhilft, die sonst kaum eine Chance darauf gehabt hätten, sondern auch den ironische Unernst der Neunziger, der nichts ernst nimmt und alles höhnisch verwitzeln muss, in die Parlamente bringt.







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