Früher, als das Internet nur was für ein paar Nerds war, kaufte ich als Student allmontäglich den Spiegel und manchmal donnerstags, wenn das Geld noch reichte, die Zeit. Zusätzlich kehrte ich einmal in der Woche in der Cafeteria der Essener Stadtbibliothek ein, wo die beiden italienischen Betreiberinnen nicht nur hervorragenden Cappuccino zum Kampfpreis brauten, sondern auch alle wichtigen überregionalen Zeitungen zur freien Lektüre auslagen (sogar rauchen durfte man dort). Das war, abgesehen vom Fernsehen, mein gesamter Medienkonsum. Nicht gerade viel im Vergleich zu heute. Schon damals jammerten Konservative übrigens in Endlosschleife über den öffentlich-rechtlichen 'Rotfunk' herum, den Vorläufer der 'linksgrünen Systemmedien'.
Heute sind wir mehr denn je von Medien umgeben, die ständig verfügbar sind. Zu den digitalisierten klassischen Medien gesellen sich unter anderem 'alternative' Medien und 'soziale' Netzwerke Und trotzdem war das Genöle über mediale Einseitigkeit noch nie so laut.
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monatlicher Abo-Preis aller Streamingdienste, die man braucht, um alle Spiele eines international spielenden Verein ab 2027 zu sehen:
— E L H O T Z O (@elhotzo) November 23, 2025
111,96€
Bierpreis in ein Fußball-Kneipen:
ca. 5€
max. Anzahl an Spielen pro Monat: 8
➡️bei unter 2,8 Bier pro Spiel ist Kneipe billiger
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"[Der] Fußballstreamingmarkt funktioniert nicht wie ein normaler Markt. [...] Die Anbieter konkurrieren nämlich nicht untereinander. Sie zeigen nicht dieselben Spiele, sondern eigene Stücke des Gesamtprodukts. [...] Es gibt zwar kein Gesamtmonopol: Kein Sender zeigt alle Spiele und könnte dann zum Schaden der Kunden Preise festlegen, wie er will. Aber jeder Anbieter hat sein eigenes Minimonopol. Weil sie sich dadurch keine Konkurrenz machen, verderben die Streamingplattformen sich gegenseitig auch nicht die Preise. Ein wirtschaftlicher Wettbewerb sieht anders aus." (Christian Spiller)
Wie denn, wo denn, was denn? Das IST gar kein freier Markt mit Konkurrenz und allem, sondern mehr so ein Kartell? Ja potzdonner, wer hätte DAS denn ahnen können? Alles kriegen die raus, alles! Was wird das erst für ein Hallo geben, wenn die rauskriegen, dass es auch nichts mit Wettbewerb zu tun hat, Bahnstrecken für einen bestimmten Zeitraum monopolistisch zu vergeben? Hat der Service im Nahverkehr sich seit der 'Liberalisierung' irgendwie verbessert? Als sporadischer Nutzer und ehemaliger Vielnutzer würde ich sagen: Die Triebfahrzeuge sind modern und alle Jubeljahre gibt es mal eine (vom Land finanzierte) neue Teilstrecke. Dafür sind die Verspätungen mehr geworden und die Ticketpreise werden zentral von den Verkehrsverbünden festgelegt.
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Bin ich eigentlich der einzige, dem ein Messer in der Tasche aufklappt, wenn irgendein Tech-Oligarch davon schwafelt, die Welt zu einem besseren Ort machen zu wollen?
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Als in den 1960ern die ersten Supermärkte sich ausbreiteten und begannen, die Tante Emma-Läden zu verdrängen, hatten sie zwei unschlagbare Argumente: Ein breiteres Sortiment und vor allem niedrigere Preise. Die wiederum waren aus zwei Gründen möglich: Erstens orderten Supermärkte ihre Ware in viel größeren Mengen, als Kette oder über Einkaufsgenossenschaften, und konnten so beim Einkauf ganz andere Konditionen herausholen als der kleine Einzelkämpfer an der Ecke. Zweitens lagerten Supermärkte einen Teil der Arbeit der kleinen Vollbedienungs-Krauter, das Zusammensuchen und -stellen der gewünschten Waren nämlich, an die Kundschaft aus. An die dann die Ersparnis teilweise weitergegeben werden konnte.
Online-Lieferdienste schreiben übrigens rote Zahlen, weil sie kostenlos Arbeiten übernehmen, die im stationären Handel die Kundschaft erledigt, wie das Kommissionieren der Waren und den Transport nach Hause. Sie können sich aber nicht erlauben, der Kundschaft das in Rechnung zu stellen, da das niemand akzeptieren würde. Ausgeglichen wird das, indem der Kapitalmarkt diese Firmen immer wieder mit frischem Geld versorgt, weil der Kapitalmarkt meint, mittelfristig würden diese Anbieter die klassischen Vor-Ort-Läden weitgehend verdrängen.
Seit einiger Zeit wird auch immer öfter die Tätigkeit des Kassierens mittels SB-Kassen an die Kundschaft ausgelagert. Man scannt alle Artikel selbst ein und zahlt dann per Karte, beaufsichtigt von einer Mitarbeiterin, die dabei zusehen darf, wie ihr eigener Job wegrationalisiert wird und die jetzt nicht mehr eine, sondern vier Kassen im Blick haben muss. Wäre es da nicht angemessen, dass man, wenn man die SB-Dinger nutzt, wenigstens einen Rabatt bekommt und die Kassiererinnen einen Zuschlag?
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Patriarchat at work: Männer können einfach so aufs Klo, während Frauen eine Stufe zu beachten haben. Gender Step Gap! Frauen wieder mal am meisten betroffen!
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Könnten wir bitte mal aufhören mit dem aufgeblasenen, immer weniger angebrachten Gemache um die 'Deutsche Brotkultur'? In Deutschland wird durchaus sehr gutes Brot gemacht, das auch ich gern esse. Nur wird das aber immer mehr zum Luxusgut, das sich immer weniger leisten können. Weil das vielerorts nur mehr von kleinen Handwerksbetrieben zu entsprechenden Preisen hergestellt wird. Immer breitere Massen indes greifen gezwungenermaßen, zu trauriger abgepackter Ware oder zu aufgebackenen Teiglingen, die Industriebäcker und Discounter erst in Umluftöfen revitalisieren und dann in SB-Theken verklappen. Geht man so mit einem von der UNESCO geadelten Kulturgut um? Man renoviert den Aachener Dom schließlich auch nicht mit Material aus dem Baumarkt.
Englische Brotunkultur kann übrigens auch sehr schön sein. Von meinen Besuchen auf der Insel habe ich mir, so noch Platz war im Gepäckstück, gern ein billiges Soft white mitgebracht, das mit unserem Toastbrot nicht zu vergleichen ist, außer dass es noch ballast- und nährstoffärmer ist. Dazu eine Dose Baked Beans von Branston, oder dick geschnittenes Roastbeef mit Colman’s Mustard. Dauernd möchte das nicht essen, aber so hin und wieder schon ziemlich geil.

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