Es gibt diesen sprichwörtlichen Elefanten im Raum. Der nimmt fast sämtlichen Platz ein, sodass man sich kaum mehr bewegen kann, aber trotzdem redet niemand drüber. Sinnbildlich steht der Elefant im Raum für ein Problem, das eigentlich allen bewusst ist, aber niemand den Mut oder die Ehrlichkeit aufbringt, es offen anzusprechen. Die 'A'fD etwa verdankt einen Gutteil ihres politischen Aufstiegs ihrer Kernerzählung, sie sei die einzige Partei, die den Mut besäße, den Elefanten beim Namen zu nennen, und der hieße: Illegale bzw. irreguläre Massenmigration.
Nicht immer Kritisches über Politik, Gesellschaft, Medien, Kultur, Essen und manchmal auch Sport
Mittwoch, 1. April 2026
Elefant im Raum
Es gibt diesen sprichwörtlichen Elefanten im Raum. Der nimmt fast sämtlichen Platz ein, sodass man sich kaum mehr bewegen kann, aber trotzdem redet niemand drüber. Sinnbildlich steht der Elefant im Raum für ein Problem, das eigentlich allen bewusst ist, aber niemand den Mut oder die Ehrlichkeit aufbringt, es offen anzusprechen. Die 'A'fD etwa verdankt einen Gutteil ihres politischen Aufstiegs ihrer Kernerzählung, sie sei die einzige Partei, die den Mut besäße, den Elefanten beim Namen zu nennen, und der hieße: Illegale bzw. irreguläre Massenmigration.
Samstag, 28. März 2026
Vermischtes und Zeugs (CXLIV)
Der offenkundig hochgradig schusselige Buckelwal, der in der Lübecker Bucht bei Timmendorfer Strand auf Grund gerauscht war (und von einigen allen Ernstes 'Timmi' getauft wurde) und sich auch ohne die Bemühungen von Tierrettern irgendwie freigeschwommten hatte, ist jetzt bei Wismar schon wieder gestrandet. Fun fact: Derweil sich halb Deutschland einen Kopf macht um das arme Tier, rollen Tag für Tag 3,6 Millionen Tiere in Tiertransporten durch eben jenes Deutschland, um dann als Produkte in Bedien- und SB-Theken zu landen. Nun bin ich bekanntlich weder Vegetarier noch Veganer, aber bin ich der einzige, dem das ein kleines Bisschen befremdlich dünkt?
Mittwoch, 25. März 2026
Paar Worte.
Kollege Chris Kurbjuhn ist gestorben (via). Die Reihen lichten sich weiter.
Nach allem, was von ihm zu lesen war und mir fällt keine Ausnahme ein, ist da ein grundfreundlicher und maximal liebenswürdiger Mensch gegangen. Einer, der das Leben und die schönen Dinge des Lebens über alles liebte und der uns ganz unaufgeregt, nie prätentiös daran teilhaben ließ. Einer der Blogger, die ich gern persönlich getroffen hätte. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich auch nur einmal nicht gefreut habe, wenn irgendwo etwas neues aufploppte von ihm, sei es in seinem Blog oder den Kommentaren hier. Ich wusste: Der Tag, die Welt würde ein wenig schöner sein. Danke dafür.
Dienstag, 24. März 2026
Diskurs. Links
Wolfgang M. Schmitt ist hier lesenden eventuell bekannt als Betreiber des empfehlenswerten und hier empfohlenen YouTube-Kanals 'Die Filmanalyse'. Daneben betreibt er mit Ole Nymoen den Podcast 'Wohlstand für alle', der sich mit wirtschaftlichen Fragen befasst, sowie 'Die neuen Zwanziger', wo es vor allem um Kultur und Politik geht. Jasmin Kosubek ist als ehemalige Mitarbeiterin von 'RT DE' als Journalistin nicht unumstritten. Allerdings muss man sagen, dass sie wirklich vielen Stimmen Raum gibt und bereit ist, sich mit Standpunkten, die nicht die ihren sind, ernsthaft auseinanderzusetzen, und das verdient unbedingt Respekt. Hier unterhält sie sich knapp zwei Stunden lang mit Schmitt und ich habe etliches mitnehmen können. Wenn politischer Diskurs öfter so liefe, diese Welt wäre definitiv eine bessere.
Sonntag, 22. März 2026
Jenseits der Blogroll - 03/2026
Davon, was das Œuvre des letzte Woche verstorbenen Jürgen Habermas bzw. dessen Lektüre mit mir gemacht hat, kann ich nicht viel berichten. In jüngeren Jahren versuchte ich mich, wie viele, an 'Strukturwandel der Öffentlichkeit', kurz darauf erschien sein, wie es hieß, eminentes Hauptwerk 'Faktizität und Geltung'. Zwar war ich damals überaus lesehungrig und pfiff mir alles mögliche ein, aber problematischerweise gab es immer auch so viel anderes Interessante zu entdecken, da blieb Habermas oft unten im Lesestapel. Tatsächlich gelesen habe ich damals seinen Beitrag 'Eine Art Schadensabwicklung' der den Historikerstreit mit lostrat, der letztlich die deutsche Schuld an der Shoah im akademischen Mainstream etablierte und Relativierungsbemühungen wie die von Nolte und Hillgruber problemlos erledigte.
Freitag, 20. März 2026
Vermischtes und Zeugs (CXLIII)
Mokant mit nacktem Zeigefinger und mithilfe von K'I'-Manipulation darauf hinzuweisen, dass Heidi Reichinnek (LINKE) zuweilen mit einem Audi A8 herumchauffiert wird, ist angesichts der Rabatte, die Autohersteller bestimmten Kundenkreisen einräumen, ziemlicher Quatsch und offenbart vor allem, dass da welche nicht rechnen können. Abgesehen davon, dass der Humbug, es handele sich um ihren Privatwagen, schnell erledigt war, kann so eine geleaste Chefinnenschubse für eine Bundestagsfraktion pro Kilometer unter dem Strich günstiger sein als ein gekaufter deutlich bescheidenerer 08/15-Jahreswagen.
Dienstag, 17. März 2026
Grenzerfahrungen in der Konsumgesellschaft (32)
Wie viele, habe ich für das aktuelle Auto so einen Fernbedienungsschlüssel, der sehr praktisch ist. Schont nicht nur das computermausgeplagte Handgelenk, weil man sich jedes Mal das beschwerliche Drehen des Schlüssels im Türschloss erspart und das nur noch beim Anlassen des Motors nötig ist. Nein, man findet das Vehikel auch im Stockdunkeln auf einem unbeleuchteten Parkplatz wieder, wenn man vergessen hat, wo man die Karre abgestellt hat. Ein Tastendruck, blink blink, huhu, hier bin ich! Irre! Bei der nächsten Generation Superschlüssel spart man sich angeblich sogar die beschwerliche Drehung im Zündschloss.
Samstag, 14. März 2026
Deutscher wird's nicht
Die von der Presse nahezu unisono gefeierte Serie 'Kacken an der Havel' ist eine weitere gescheiterte deutsche Humor-Bemühung. Die zudem einen interessanten politischen Subtext hat.
Glaubt man den überwiegend hymnischen Besprechungen der auf Netflix zu streamenden neunteiligen Serie 'Kacken an der Havel', dann handelt es sich um einen Geniestreich, dann ist dort nicht weniger geschehen als die Rettung des darniederliegenden deutschen Humors. Denn 'Kacken an der Havel', so der nicht selten anzutreffende Unterton, sei ja nicht produziert worden vom drögen, verpupten, woken öffentlich-rechtlichen Ärmelschoner-Staatsfunk, der -- LAAAME! -- immer politisch korrekt auf Diversität und Quote achtet/achten muss, sondern von den coolen Boys and Girls von Netflix. Was kann da schon schiefgehen? Eine ganze Menge, wie sich zeigen wird.
Mittwoch, 11. März 2026
Vermischtes und Zeugs (CXLII)
Nicht ausgeschlossen, dass ich es noch erleben werde, im Frührentner- und Arbeitslosenparadies Stuttgart spezielle Führungen buchen zu können. Bei denen wird man dann von einem verrenteten Hoschd, Mampfred, Ewwin, Mehmet oder vielleicht gar einer Jacqueline eine verranzte Werkshalle vom Daimler gezeigt bekommen, in der sie damals die Esch-Klasse gebaut haben ("Des beschde Audo der Welt, bis de Chines' komme isch mit seine subbwenndsionierde Badderiekischde"). Nach getaner Arbeit wird man im Restaurant 'Gottlieb' oder so, das in einer anderen, mit Staatskohle hübsch gemachten verranzten Werkshalle untergebracht ist und das nägschdes Jahr bestimmt den ersten Stern bekommt, auf Fine Dining hochgerüschte schwäbische Spezialitäten einpfeifen können. Trust me, ich bin aus dem Ruhrpott.
Freitag, 6. März 2026
Was sagen?
Was soll ich denn sagen? Zum Krieg im Iran. Keine Ahnung. Sicher, ich könnte erwähnen, der Unterschied zu früheren US-Feldzügen im Namen von Freedom and Democracy ist, dass man sich gar nicht erst um eine internationale Koalition bemüht hat, sondern es gleich alleine durchzieht. Eine neue Qualität, zweifellos. Hatten wir aber schon in Venezuela. Ein Testlauf vielleicht. Paar Nummern kleiner. Wie das ausgeht? Der Iran ist ein riesiges Land. Wer weiß, was von der Opposition noch übrig ist nach all dem Morden, wie stark die Revolutionsgarden noch sind. Vielleicht hat der Mossad da genauere Infos. Der wusste ja auch, wo Khamenei wohnt.
Dienstag, 3. März 2026
Vermischtes und Zeugs (CXLI)
Wie auch immer man sonst zu ihnen stehen mag, eines muss man den Grünen lassen: Sie sind lernfähig. Im Wahlkampf waren sie immer die letzten, die naiverweise noch an die Kraft des logos und des besseren Arguments glaubten. Und dabei wirkten wie das Streberkind, das immer brav die Hausaufgaben macht, mit seiner Rohkostbox am Schulhofrand steht, von den Platzhirschen immer gehänselt und mit dem Hintern in den Papierkorb gesetzt wird, aber leider nur Freunde außerhalb der Schule hat, und für coole Antworten zu verkrampft ist.
Samstag, 28. Februar 2026
Vier Jahre Ukrainekrieg. Eine Zwischenbilanz
Seit über vier Jahren führt Russland nunmehr Krieg in der Ukraine. Damit dauert dieser Krieg bereits länger als der 'Große Vaterländische Krieg' gegen das Deutsche Reich 1941 bis 1945, in dessen Tradition die russische Propaganda das Ganze gern stellen würde. Nimmt man Putin beim Wort und geht davon aus, dass er den Großmachtstatus Russlands wiederherstellen wollte (den schon die UdSSR allein wegen ihres hochgerüsteten Militärs innehatte, wenn überhaupt), dann sahen die Kriegsziele, die Putin und die Kreml-Krieger 2022 verfolgten, höchstwahrscheinlich so aus:
Donnerstag, 26. Februar 2026
Jenseits der Blogroll - 02/2026
Und? Sind Sie auch so erleichtert? Haben Sie die spontanen Partys in den Straßen mitbekommen? Die Jubel- und Dankgesänge? Habecks Heiz-Hammer ist endlich Geschichte! Dank unserer genialen Regierung ist die Nation endlich erlöst von den finsteren Machenschaften des Thermo-Terroristen, der nur ganz knapp daran gehindert werden konnte, Oma Kasuppke die Gasheizung aus dem Keller ihres klein Häuschens zu reißen, auf dass sie fürderhin gar jämmerlich fröre im Winter oder auf ewig in Zinsknechtschaft sich hätte begeben müssen, weil sie gezwungenermaßen so eine neumodische, linksgrüne, woke Wärmepumpe hätte kaufen müssen. Gerettetet, hurra!
Montag, 23. Februar 2026
Vermischtes und Zeugs (CXL)
Maskenmann und CDU-Fraktionsvorsitzender Jens Spahn hat jetzt vorgeschlagen, Studienjahre nicht mehr auf die Rentenversicherung anzurechnen. Denn: Studienjahre seien keine Arbeitsjahre. Das stimmt zwar, aber dennoch, Spahn, eine kleine Lerneinheit: Es werden nicht nur Studienjahre als Rentenjahre angerechnet, sondern generell bis zu acht Jahren Schul- und Ausbildungszeiten. Wer etwa nach der zehnten Klasse eine dreijährige Ausbildung absolviert hat, bekommt diese Jahre auch angerechnet, obwohl während der Ausbildung keine Rentenversicherungsbeiträge entrichtet werden.
Samstag, 21. Februar 2026
Andy Capone?
Irgendwann in den Neunzigern las ich irgendwo mal ein Interview mit dem ehemaligen Monty Python-Mitglied John Cleese. Ein Satz ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Cleese sagte, er fühle sich in Wien immer sehr wohl, denn dort habe man bereits das hinter sich, was Großbritannien noch bevorstünde: Die Abschaffung einer sehr alten, sehr traditionsreichen Monarchie, deren Umwandlung in ein Museum und die Einführung der Republik. Er sei durchaus zuversichtlich, das in Großbritannien noch zu erleben.
Mittwoch, 18. Februar 2026
Vermischtes zu Olympia (II)
Die ersten mokieren sich schon über die eher schmale Medaillenausbeute der deutschen Teilnehmer:innen bei den kurrenten Winterspielen. Deutschland abgehängt! Buhuuu! Kannjawohlnichsein, dass das bevölkerungsreichste Land Europas so wenig Medaillen holt. Kommwadenndahin? Kann nicht mehr lange dauern, dann geht das kulturpessimistische Gebramme wieder los von wegen, da sei eine Delegation aus wohlstandsverwahrlosten Schneeflöckchen zu Olympia entsandt worden, die nur mehr Work-life-balance im Kopf habe und sich verweichlichterweise nicht mehr recht plagen und schinden wolle.
Samstag, 14. Februar 2026
Epstein. Fünf Annäherungen
"Die bürgerliche Gesellschaft besteht aus zwei Arten von Männern, aus solchen, die sagen, irgendwo sei eine Lasterhöhle ausgehoben worden, und solchen, die bedauern, die Adresse zu spät erfahren zu haben." (Karl Kraus)
Kurze Frage zum Einstieg: Irgendwo jemand über der Gehaltsklasse eines mittleren Managers der Raiffeisenbank, der nicht in irgendeinem E-Mail-Verteiler von Jeffrey Epstein (+) steht? Bitte um Handzeichen! Danke. Das wird übrigens die letzte flapsige Einlassung in diesem Beitrag sein. Das Thema ist zu ernst und vielschichtig. Daher der Versuch, sich aus fünf Richtungen anzunähern. Ob sich daraus am Ende ein schlüssiges Bild ergibt, sei allen selbst überlassen.
Mittwoch, 11. Februar 2026
Revanche!
Wer die Neunziger bewusst erlebt hat wird sich noch an Diddl erinnern, jene grotesk klumpfüßige, vom Grafiker Thomas Goletz erdachte Comicspringmaus. Und wie könnte man auch nicht? Diddl und seine Spießgesell:innen überzogen die Republik damals flächenbombardementartig mit bonbonrosa Knuddelbotschaften in gruseliger Typografie. Kein Kiosk, von dem einem das blöde Vieh nicht entgegengrinste, gern auch im Verbund mit seiner Gespielin Diddelina. Briefpapier, Geschirr, Schulranzen, Schreibblöcke, Bettzeug, Aufkleber, Schlüsselanhänger, Karten, Magnete etc. Es gab kein Entrinnen. Wer einen Laden betrat, der das Zeugs feilbot, riskierte, sich vom bloßen Anblick dieser Überdosis Kitsch Typ 2-Diabetes einzuhandeln.
Sonntag, 8. Februar 2026
Vermischtes zu Olympia
Für Olympische Spiele habe ich bekanntlich, allem Kommerztamtam und allen problematischen Implikationen zum Trotze, einen Soft Spot. Vor allem weil dort Sportarten und Sportler:innen in den Fokus rücken, von denen man sonst nichts mitbekommt und die von den Aktiven, die davon nicht leben können, geschweige denn reich werden damit, allein aus Liebe zum Sport betrieben werden. Und die auch von Menschen mit nicht durchoptimierten Körpern betrieben werden können, eine Wampe unterm Hemd oder eine etwas ausladenere Kiste in der Hose keine Nachteile sind. Im Sommer sind das vor allem die Schießdisziplinen, im Winter ist es Curling.
Freitag, 6. Februar 2026
Inhaltlich blank
"Die Friedhöfe der Welt sind voll von Leuten, die sich für unentbehrlich hielten." (Georges Clemenceau)
Nicht unbeträchtliche Teile Deutschlands erinnern in diesen Zeiten an einen älteren, langjährigen Mitarbeiter eines kriselnden Traditionsunternehmens, der sich angesichts einer Entlassungswelle einredet, ihm werde schon nichts passieren, der neumodische Kram ihn schon nicht betreffen, überdies habe er doch so viel geleistet, sei doch schon so lange dabei, sie könnten ihm gar nichts, sollen sie doch kommen und überhaupt. Der parlamentarische Arm dieses Denkens hört auf den Namen CDU.
Montag, 2. Februar 2026
Vermischtes und Zeugs (CXXXIX)
Noch so ein kulturelles Phänomen, das verloren gegangen ist: Dass man sich bei Arcadeautomaten in die Bestenliste eintragen konnte, wenn man einen Highscore geknackt hatte. In der Frittenbude, in der wir uns früher öfter trafen, stand ein 'Donkey Kong'-Automat. Einmal war dem Monitor zu entnehmen, dass ein gewisser 'OTTO ZIBULSKI' auf Platz eins war, dicht gefolgt von einer Person mit Namen 'SUPERPIMMEL'. Ungekrönter König der Arena war ein gewisser 'SCHEISSBULLE', der, wie ich irgendwann erfuhr, gar kein Polizeibeamter war, sondern nicht arbeitete und vom Erbe lebte. So hatte er die Zeit und offenbar auch das Geld, halbe Tage in dem öligen Etablissement zu verbringen und den Daddelmaten so lange mit Einemarkmünzen zu füttern, bis sein Kampfname auf Platz 1 bis 10 stand, wie es ein paar mal vorkam. Schön, wenn Menschen noch Ziele haben im Leben.
Samstag, 31. Januar 2026
Im Patchwork Valley
Deutschland sei, so heißt es allenthalben, ein digitales Entwicklungsland. Die Welt lache sich entweder kaputt über uns deutsche Digital-Höhlenmenschen oder schüttele mitleidig den Kopf. Tss tss, was ist bloß aus den übereffizienten deutschen Organisationsweltmeistern geworden? Während anderswo alles nur mehr ganz bequem digital und online gönge und niemand auch nur auf die Idee käme, ein Blatt Papier auch nur zur Hand zu nehmen, geschweige denn, persönlich bei einem Amt zu erscheinen, säßen hier überall mausgraue, verpupte Ärmelschoner, Bedenkenträger und E-Mail-Ausdrucker herum, für die alles, was sich nicht in einem Leitzordner abheften lässt, neumodisches Teufelswerk ist und die jede ausgedruckte Mail dann noch einmal faxen. Zur Sicherheit. Man kann schließlich nie wissen. Keine Experimente!
Mittwoch, 28. Januar 2026
Jenseits der Blogroll - 01/2026
"Wenn wir zu hoffen aufhören, kommt, was wir befürchten, bestimmt." (Ernst Bloch)
Als ich Ende 2017 diese Rubrik vom Stapel und in die Welt ließ, frug ich mich noch jedes Mal: Hui, wirst du überhaupt genügend Material zusammenbekommen? Inzwischen geht einiges an Zeit dafür drauf, jede Menge wieder auszusortieren, erst recht in politisch so bewegten Zeiten wie diesen. Scheint aber gut anzukommen. Die monatliche Linksammlung erzielt regelmäßig hohe und höchste Klickzahlen. Dieses Mal ist übrigens ungewohnt viel Feuilleton dabei. Warum? Keine Ahnung. Das nur als Vorwarnung.
Sonntag, 25. Januar 2026
Vermischtes und Zeugs (CXXXVIII)
Bei der Union demonstrieren sie wieder einmal eindrucksvoll ihre Wirtschaftskompetenz und ihr Talent für Realitätsverweigerung. Teile der CDU sähen nämlich gern den Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit abgeschafft. Das würde Arbeitgebern die Möglichkeit eröffnen zu sagen: Entweder Vollzeit oder kein Job. Ausnahmen soll es nur noch geben im Fall von Kindererziehungspflichten oder Pflege von Angehörigen. Abgesehen davon, dass Deutschland eine der höchsten Unterbeschäftigungsquoten Europas hat, was ein sicherer Indikator dafür ist, dass viele gern Vollzeit arbeiten würden, dies aber, meist aus exakt den beiden genannten Gründen nicht können und dass viele Jobs inzwischen eh nur mehr in Teilzeit ausgeschrieben werden, sodass das mit der unionsseitig beklagten 'Lifestyle-Teilzeit' wohl eher ein Popanz ist, um Arbeitnehmer:innenrechte weiter zu beschneiden:
Samstag, 24. Januar 2026
Frage am Rande
Was ich mich schon länger frage: Wie ist das eigentlich so als Fan von Bayern München? Jener Übermannschaft, die den Meistertitel, von einem Ausrutscher abgesehen, seit zehn Jahren quasi abonniert hat, in dieser Saison bislang jeden Gegner aus dem Stadion geschossen hat, schon jetzt, am 18. Spieltag, komfortable elf Punkte vorn liegt und deren größte Herausforderung für den Rest der Saison sein dürfte, die Spannung für die Champions League hochzuhalten. Sollte also während der Restsaison kein Meteorit an der Säbener Straße während des Trainings einschlagen und den gesamten Kader ausschalten, wodurch der FCB gezwungen wäre, mit einer B-Garnitur anzutreten (aber auch das müsste nichts heißen), können sie in München schon mal in aller Ruhe die nächste Meisterfeier vorbereiten.
Donnerstag, 22. Januar 2026
Chickening Out
Dass die USA, wie vom Donald Trump postuliert, unbedingt Grönland annektieren müssten wegen der Rohstoffe und der überragenden strategischen Lage, ist natürlich völliger Kokolores. Wie immer ging es Trump allein ums Prestige und ums Habenwollen. Darum, aufstrebenden Mächten wie China zu zeigen, wer den längeren Hebel hat. Trump will als der GröPaZ in die Geschichte eingehen. Friedensnobelpreisträger, YÄY! Ausrichter der besten Fußball-WM ever, BÄM! Als derjenige, der das Territorium der USA vergrößert hat wie noch niemand vor ihm, POW! Der Putin zeigt, wie Neoimperialismus geht, BIFF! Captain America strikes again, ZOW!
Montag, 19. Januar 2026
Vermischtes und Zeugs (CXXXVII)
Im 'Freitag' beklagte Pepe Egger jetzt, Friedrich Merz habe bei seiner Neujahrsansprache den Osten ganz vergessen und damit das halbe Land vor den Kopf gestoßen. Ähhh... nein. So leid es mir tut, einfach nein. Nada. Nope. Niente. Laut aktuellen Zahlen hat 'der Osten', womit normalerweise die fünf nicht mehr ganz neuen Länder abzüglich Berlin gemeint sind, zirka 12,4 Millionen Einwohner. Das ist bei einer Gesamtbevölkerung von 83,5 Millionen niemals, nie, nicht, nicht einmal beim allerbestmöglichen Willen die Hälfte, sondern gerade einmal etwas mehr als ein Achtel, genauer: knapp 15 Prozent.
Samstag, 17. Januar 2026
Verlorener Faden
Dank des überaus ferdienstfollen Fernsehsenders Arte gibt es bis Ende des Jahres Gelegenheit, 'Twin Peaks' noch einmal anzuschauen, jene von David Lynch und Mark Frost kreierte und produzierte Fernsehserie, die völlig zu recht als Meilenstein des Genres gilt und vieles vorwegnahm, was heute längst selbstverständlich ist. Es steht daher zu befürchten, dass Jüngere damit vermutlich nur wenig anfangen können. Natürlich war es 1990 nicht neu, Dunkles und Abgründiges filmisch zu verhandeln, auch eine Erkenntnis wie die, dass hinter der Fassade bürgerlicher Wohlanständigkeit nicht selten das nackte Grauen lauert, war alles andere als bahnbrechend. Aber dergleichen fand üblicherweise im Kino statt. Fernsehserien galten gemeinhin als mehr oder minder seichte Unterhaltung. Und Seriendarsteller waren nicht selten Schauspieler, deren Karrieren sich dem Ende neigten oder stagnierten oder die dringend Geld brauchten.
Mittwoch, 14. Januar 2026
Merz und die Mullahs
Sicher ist da natürlich gar nichts, aber es könnte sein, dass ich in diesem Leben noch mitbekomme, wie im Iran ein Revolutionsregime von einem anderen Revolutionsregime wieder abgelöst wird. Das wäre kein Grund zur Trauer. Immer mehr Iraner:innen haben nach zirka 45 Jahren offenbar die Nase voll von einer Oligarchie religiöser Fundamentalisten, die ihnen in die private Lebensführung hineinregiert und sie mit immer weniger Erfolg zu einem gottgefälligen Leben nötigen will, während immer mehr verarmen. Letzteres dürfte der wichtigste Grund sein für die in immer kürzeren Abständen erfolgenden Protestwellen im Iran, auf die Mullahs immer schlechter den Deckel bekommen.
Samstag, 10. Januar 2026
Vermischtes und Zeugs (CXXXVI)
FIFA-Supremo Gianni Infantino will bei der anstehenden Fußball-WM feste Trinkpausen in der Mitte jeder Halbzeit einführen, und zwar unabhängig vom Wetter. Das hat natürlich absolut nichts zu tun mit Sorge um die Gesundheit der Spieler. Erstens ist nicht bekannt, dass Spieler auch bei hohen Temperaturen reihenweise wegen Dehydrierung umgekippt wären und zweitens dürfen Spieler mit Erlaubnis der Schiedsrichter schon jetzt was trinken, wenn die Bedingungen entsprechend sind. Das ganze dient lediglich dazu, zwei Mal öfter pro Spiel Werbespots schalten zu können.
Donnerstag, 8. Januar 2026
Lernen vom Ancien Régime
Man kann sich gewiss täuschen, aber es sieht so aus, als hätten vor allem Konservative/Rechte ein echtes Händchen dafür, in Katastrophen- und Krisensituationen so rüberzukommen, als ginge sie das alles nicht wirklich was an und nicht zu kapieren, wieso ausgerechnet Wichtigmenschen wie sie sich zum Pöbel herabbegeben sollen. Und sich damit ohne Not um Wahlchancen bringen. Nach Lokalpatriot Stoiber und Schmunzelmuffe Laschet (international ließen sich zum Beispiel noch George W. 'Flyover' Bush oder Melania 'I really don‘t care' Trump erwähnen) hat jetzt der Berliner Bürgermeister Wegner (CDU) sein PR-Desaster am Start, das ihn vermutlich die Wiederwahl kosten wird.
Sonntag, 4. Januar 2026
Unkomplex
Würde das Weltgeschehen wenigstens zu Beginn des Jahres so freundlich sein, unsereins armen Bloggern, die angetreten sind, selbiges ein wenig einzuordnen, eine Chance zu geben, mal kurz durchzupusten? Erst schneidet angeblich ein Haufen verpeilter Salonrevolutionäre 50.000 Berliner Haushalte von der Stromversorgung ab und glaubt vermutlich ernsthaft, das Schweinesystem damit kippen zu können (das Kapital in New York, Frankfurt und London ist erfahrungsgemäß immer schwerst beeindruckt und schlottert vor Angst, wenn irgendwo bei einer Demo Autos brennen oder Menschen in ihren Wohnungen zu erfrieren drohen), dann lässt Trump mal eben den venezolanischen Präsidenten Maduro hopsnehmen und in den USA einknasten.
Freitag, 2. Januar 2026
Vermischtes und Zeugs (CXXXV)
Mit dem Jahreswechsel wäre auch das alljährliche Hickhack um ein Böllerverbot wieder glücklich überstanden. Glaubt man Umfragen, dann ist inzwischen eine Mehrheit der Bevölkerung arg genervt von der Knallerei. Die Argumente sind auch jedes Jahr dieselben. Hie: Angst! Gefahr! Feinstaub! Denkt denn keiner an die Kinder/Tiere! Dort: Tradition! Ich lasse mir von diesem linksgrünen Nanny-/Verbotsstaat nicht meinen Spaß zu Silvester nehmen! (Wobei ein öffentliches Gesundheitswesen, das infolge eigener Doofheit zerfetzte Flossen ohne Mehrkosten wieder zusammenflickt und eine Stadtreinigung, die Tags drauf den ganzen Dreck wegmacht, natürlich gern genommen werden.)
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