Samstag, 14. Februar 2026

Epstein. Fünf Annäherungen


"Die bürgerliche Gesellschaft besteht aus zwei Arten von Männern, aus solchen, die sagen, irgendwo sei eine Lasterhöhle ausgehoben worden, und solchen, die bedauern, die Adresse zu spät erfahren zu haben." (Karl Kraus)

Kurze Frage zum Einstieg: Irgendwo jemand über der Gehaltsklasse eines mittleren Managers der Raiffeisenbank, der nicht in irgendeinem E-Mail-Verteiler von Jeffrey Epstein (+) steht? Bitte um Handzeichen! Danke. Das wird übrigens die letzte flapsige Einlassung in diesem Beitrag sein. Das Thema ist zu ernst und vielschichtig. Daher der Versuch, sich aus fünf Richtungen anzunähern. Ob sich daraus am Ende ein schlüssiges Bild ergibt, sei allen selbst überlassen.

Mittwoch, 11. Februar 2026

Revanche!


Wer die Neunziger bewusst erlebt hat wird sich noch an Diddl erinnern, jene grotesk klumpfüßige, vom Grafiker Thomas Goletz erdachte Comicspringmaus. Und wie könnte man auch nicht? Diddl und seine Spießgesell:innen überzogen die Republik damals flächenbombardementartig mit bonbonrosa Knuddelbotschaften in gruseliger Typografie. Kein Kiosk, von dem einem das blöde Vieh nicht entgegengrinste, gern auch im Verbund mit seiner Gespielin Diddelina. Briefpapier, Geschirr, Schulranzen, Schreibblöcke, Bettzeug, Aufkleber, Schlüsselanhänger, Karten, Magnete etc. Es gab kein Entrinnen. Wer einen Laden betrat, der das Zeugs feilbot, riskierte, sich vom bloßen Anblick dieser Überdosis Kitsch Typ 2-Diabetes einzuhandeln. 

Sonntag, 8. Februar 2026

Vermischtes zu Olympia


Für Olympische Spiele habe ich bekanntlich, allem Kommerztamtam und allen problematischen Implikationen zum Trotze, einen Soft Spot. Vor allem weil dort Sportarten und Sportler:innen in den Fokus rücken, von denen man sonst nichts mitbekommt und die von den Aktiven, die davon nicht leben können, geschweige denn reich werden damit, allein aus Liebe zum Sport betrieben werden. Und die auch von Menschen mit nicht durchoptimierten Körpern betrieben werden können, eine Wampe unterm Hemd oder eine etwas ausladenere Kiste in der Hose keine Nachteile sind. Im Sommer sind das vor allem die Schießdisziplinen, im Winter ist es Curling.

Freitag, 6. Februar 2026

Inhaltlich blank


"Die Friedhöfe der Welt sind voll von Leuten, die sich für unentbehrlich hielten." (Georges Clemenceau)

Nicht unbeträchtliche Teile Deutschlands erinnern in diesen Zeiten an einen älteren, langjährigen Mitarbeiter eines kriselnden Traditionsunternehmens, der sich angesichts einer Entlassungswelle einredet, ihm werde schon nichts passieren, der neumodische Kram ihn schon nicht betreffen, überdies habe er doch so viel geleistet, sei doch schon so lange dabei, sie könnten ihm gar nichts, sollen sie doch kommen und überhaupt. Der parlamentarische Arm dieses Denkens hört auf den Namen CDU.

Montag, 2. Februar 2026

Vermischtes und Zeugs (CXXXIX)

 
Noch so ein kulturelles Phänomen, das verloren gegangen ist: Dass man sich bei Arcadeautomaten in die Bestenliste eintragen konnte, wenn man einen Highscore geknackt hatte. In der Frittenbude, in der wir uns früher öfter trafen, stand ein 'Donkey Kong'-Automat. Einmal war dem Monitor zu entnehmen, dass ein gewisser 'OTTO ZIBULSKI' auf Platz eins war, dicht gefolgt von einer Person mit Namen 'SUPERPIMMEL'. Ungekrönter König der Arena war ein gewisser 'SCHEISSBULLE', der, wie ich irgendwann erfuhr, gar kein Polizeibeamter war, sondern nicht arbeitete und vom Erbe lebte. So hatte er die Zeit und offenbar auch das Geld, halbe Tage in dem öligen Etablissement zu verbringen und den Daddelmaten so lange mit Einemarkmünzen zu füttern, bis sein Kampfname auf Platz 1 bis 10 stand, wie es ein paar mal vorkam. Schön, wenn Menschen noch Ziele haben im Leben.

Samstag, 31. Januar 2026

Im Patchwork Valley


Deutschland sei, so heißt es allenthalben, ein digitales Entwicklungsland. Die Welt lache sich entweder kaputt über uns deutsche Digital-Höhlenmenschen oder schüttele mitleidig den Kopf. Tss tss, was ist bloß aus den übereffizienten deutschen Organisationsweltmeistern geworden? Während anderswo alles nur mehr ganz bequem digital und online gönge und niemand auch nur auf die Idee käme, ein Blatt Papier auch nur zur Hand zu nehmen, geschweige denn, persönlich bei einem Amt zu erscheinen, säßen hier überall mausgraue, verpupte Ärmelschoner, Bedenkenträger und E-Mail-Ausdrucker herum, für die alles, was sich nicht in einem Leitzordner abheften lässt, neumodisches Teufelswerk ist und die jede ausgedruckte Mail dann noch einmal faxen. Zur Sicherheit. Man kann schließlich nie wissen. Keine Experimente!

Mittwoch, 28. Januar 2026

Jenseits der Blogroll - 01/2026


"Wenn wir zu hoffen aufhören, kommt, was wir befürchten, bestimmt." (Ernst Bloch)

Als ich Ende 2017 diese Rubrik vom Stapel und in die Welt ließ, frug ich mich noch jedes Mal: Hui, wirst du überhaupt genügend Material zusammenbekommen? Inzwischen geht einiges an Zeit dafür drauf, jede Menge wieder auszusortieren, erst recht in politisch so bewegten Zeiten wie diesen. Scheint aber gut anzukommen. Die monatliche Linksammlung erzielt regelmäßig hohe und höchste Klickzahlen. Dieses Mal ist übrigens ungewohnt viel Feuilleton dabei. Warum? Keine Ahnung. Das nur als Vorwarnung.

Sonntag, 25. Januar 2026

Vermischtes und Zeugs (CXXXVIII)


Bei der Union demonstrieren sie wieder einmal eindrucksvoll ihre Wirtschaftskompetenz und ihr Talent für Realitätsverweigerung. Teile der CDU sähen nämlich gern den Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit abgeschafft. Das würde Arbeitgebern die Möglichkeit eröffnen zu sagen: Entweder Vollzeit oder kein Job. Ausnahmen soll es nur noch geben im Fall von Kindererziehungspflichten oder Pflege von Angehörigen. Abgesehen davon, dass Deutschland eine der höchsten Unterbeschäftigungsquoten Europas hat, was ein sicherer Indikator dafür ist, dass viele gern Vollzeit arbeiten würden, dies aber, meist aus exakt den beiden genannten Gründen nicht können und dass viele Jobs inzwischen eh nur mehr in Teilzeit ausgeschrieben werden, sodass das mit der unionsseitig beklagten 'Lifestyle-Teilzeit' wohl eher ein Popanz ist, um Arbeitnehmer:innenrechte weiter zu beschneiden:

Samstag, 24. Januar 2026

Frage am Rande


Was ich mich schon länger frage: Wie ist das eigentlich so als Fan von Bayern München? Jener Übermannschaft, die den Meistertitel, von einem Ausrutscher abgesehen, seit zehn Jahren quasi abonniert hat, in dieser Saison bislang jeden Gegner aus dem Stadion geschossen hat, schon jetzt, am 18. Spieltag, komfortable elf Punkte vorn liegt und deren größte Herausforderung für den Rest der Saison sein dürfte, die Spannung für die Champions League hochzuhalten. Sollte also während der Restsaison kein Meteorit an der Säbener Straße während des Trainings einschlagen und den gesamten Kader ausschalten, wodurch der FCB gezwungen wäre, mit einer B-Garnitur anzutreten (aber auch das müsste nichts heißen), können sie in München schon mal in aller Ruhe die nächste Meisterfeier vorbereiten.

Donnerstag, 22. Januar 2026

Chickening Out


Dass die USA, wie vom Donald Trump postuliert, unbedingt Grönland annektieren müssten wegen der Rohstoffe und der überragenden strategischen Lage, ist natürlich völliger Kokolores. Wie immer ging es Trump allein ums Prestige und ums Habenwollen. Darum, aufstrebenden Mächten wie China zu zeigen, wer den längeren Hebel hat. Trump will als der GröPaZ in die Geschichte eingehen. Friedensnobelpreisträger, YÄY! Ausrichter der besten Fußball-WM ever, BÄM! Als derjenige, der das Territorium der USA vergrößert hat wie noch niemand vor ihm, POW! Der Putin zeigt, wie Neoimperialismus geht, BIFF! Captain America strikes again, ZOW!

Montag, 19. Januar 2026

Vermischtes und Zeugs (CXXXVII)


Im 'Freitag' beklagte Pepe Egger jetzt, Friedrich Merz habe bei seiner Neujahrsansprache den Osten ganz vergessen und damit das halbe Land vor den Kopf gestoßen. Ähhh... nein. So leid es mir tut, einfach nein. Nada. Nope. Niente. Laut aktuellen Zahlen hat 'der Osten', womit normalerweise die fünf nicht mehr ganz neuen Länder abzüglich Berlin gemeint sind, zirka 12,4 Millionen Einwohner. Das ist bei einer Gesamtbevölkerung von 83,5 Millionen niemals, nie, nicht, nicht einmal beim allerbestmöglichen Willen die Hälfte, sondern gerade einmal etwas mehr als ein Achtel, genauer: knapp 15 Prozent. 

Samstag, 17. Januar 2026

Verlorener Faden


Dank des überaus ferdienstfollen Fernsehsenders Arte gibt es bis Ende des Jahres Gelegenheit, 'Twin Peaks' noch einmal anzuschauen, jene von David Lynch und Mark Frost kreierte und produzierte Fernsehserie, die völlig zu recht als Meilenstein des Genres gilt und vieles vorwegnahm, was heute längst selbstverständlich ist. Es steht daher zu befürchten, dass Jüngere damit vermutlich nur wenig anfangen können. Natürlich war es 1990 nicht neu, Dunkles und Abgründiges filmisch zu verhandeln, auch eine Erkenntnis wie die, dass hinter der Fassade bürgerlicher Wohlanständigkeit nicht selten das nackte Grauen lauert, war alles andere als bahnbrechend. Aber dergleichen fand üblicherweise im Kino statt. Fernsehserien galten gemeinhin als mehr oder minder seichte Unterhaltung. Und Seriendarsteller waren nicht selten Schauspieler, deren Karrieren sich dem Ende neigten oder stagnierten oder die dringend Geld brauchten.

Mittwoch, 14. Januar 2026

Merz und die Mullahs


Sicher ist da natürlich gar nichts, aber es könnte sein, dass ich in diesem Leben noch mitbekomme, wie im Iran ein Revolutionsregime von einem anderen Revolutionsregime wieder abgelöst wird. Das wäre kein Grund zur Trauer. Immer mehr Iraner:innen haben nach zirka 45 Jahren offenbar die Nase voll von einer Oligarchie religiöser Fundamentalisten, die ihnen in die private Lebensführung hineinregiert und sie mit immer weniger Erfolg zu einem gottgefälligen Leben nötigen will, während immer mehr verarmen. Letzteres dürfte der wichtigste Grund sein für die in immer kürzeren Abständen erfolgenden Protestwellen im Iran, auf die Mullahs immer schlechter den Deckel bekommen. 

Samstag, 10. Januar 2026

Vermischtes und Zeugs (CXXXVI)


FIFA-Supremo Gianni Infantino will bei der anstehenden Fußball-WM feste Trinkpausen in der Mitte jeder Halbzeit einführen, und zwar unabhängig vom Wetter. Das hat natürlich absolut nichts zu tun mit Sorge um die Gesundheit der Spieler. Erstens ist nicht bekannt, dass Spieler auch bei hohen Temperaturen reihenweise wegen Dehydrierung umgekippt wären und zweitens dürfen Spieler mit Erlaubnis der Schiedsrichter schon jetzt was trinken, wenn die Bedingungen entsprechend sind. Das ganze dient lediglich dazu, zwei Mal öfter pro Spiel Werbespots schalten zu können. 

Donnerstag, 8. Januar 2026

Lernen vom Ancien Régime


Man kann sich gewiss täuschen, aber es sieht so aus, als hätten vor allem Konservative/Rechte ein echtes Händchen dafür, in Katastrophen- und Krisensituationen so rüberzukommen, als ginge sie das alles nicht wirklich was an und nicht zu kapieren, wieso ausgerechnet Wichtigmenschen wie sie sich zum Pöbel herabbegeben sollen. Und sich damit ohne Not um Wahlchancen bringen. Nach Lokalpatriot Stoiber und Schmunzelmuffe Laschet (international ließen sich zum Beispiel noch George W. 'Flyover' Bush oder Melania 'I really don‘t care' Trump erwähnen) hat jetzt der Berliner Bürgermeister Wegner (CDU) sein PR-Desaster am Start, das ihn vermutlich die Wiederwahl kosten wird.

Sonntag, 4. Januar 2026

Unkomplex


Würde das Weltgeschehen wenigstens zu Beginn des Jahres so freundlich sein, unsereins armen Bloggern, die angetreten sind, selbiges ein wenig einzuordnen, eine Chance zu geben, mal kurz durchzupusten? Erst schneidet angeblich ein Haufen verpeilter Salonrevolutionäre 50.000 Berliner Haushalte von der Stromversorgung ab und glaubt vermutlich ernsthaft, das Schweinesystem damit kippen zu können (das Kapital in New York, Frankfurt und London ist erfahrungsgemäß immer schwerst beeindruckt und schlottert vor Angst, wenn irgendwo bei einer Demo Autos brennen oder Menschen in ihren Wohnungen zu erfrieren drohen), dann lässt Trump mal eben den venezolanischen Präsidenten Maduro hopsnehmen und in den USA einknasten. 

Freitag, 2. Januar 2026

Vermischtes und Zeugs (CXXXV)


Mit dem Jahreswechsel wäre auch das alljährliche Hickhack um ein Böllerverbot wieder glücklich überstanden. Glaubt man Umfragen, dann ist inzwischen eine Mehrheit der Bevölkerung arg genervt von der Knallerei. Die Argumente sind auch jedes Jahr dieselben. Hie: Angst! Gefahr! Feinstaub! Denkt denn keiner an die Kinder/Tiere! Dort: Tradition! Ich lasse mir von diesem linksgrünen Nanny-/Verbotsstaat nicht meinen Spaß zu Silvester nehmen! (Wobei ein öffentliches Gesundheitswesen, das infolge eigener Doofheit zerfetzte Flossen ohne Mehrkosten wieder zusammenflickt und eine Stadtreinigung, die Tags drauf den ganzen Dreck wegmacht, natürlich gern genommen werden.)