Montag, 27. Juli 2026

Jenseits der Blogroll - 07/2026


Über den Anschlag auf den CSD in Berlin und die ritualisierten Reaktionen darauf haben die Kollegen von Bonetti Media so weit alles Notwendige gesagt. Vielleicht noch eine Ergänzung: Ein Fall wie der von Abdul Ballout zeigt aufs Neue, dass das hiesige Strafrecht mit Tätern wie ihm überfordert ist. Weil es im Kern ein bürgerliches Recht ist, das vor allem auf die Erhaltung und Verteidigung der herrschenden Besitzverhältnisse abzielt und den Menschen als rational handelndes Subjekt begreift, gerät es bei ideologisch motivierten Taten zwangsläufig an Grenzen. Die blinden Flecken, die so entstehen, liefern dann ebenso zwingend Futter für Hetzer aller Couleur. 

Rechte müssten eigentlich ein Problem haben mit dem CSD-Anschlag. Einerseits war der Täter wohl Islamist, also der Feind, andererseits hat es mit einem der größten CSDs Europas eine Veranstaltung getroffen, die sie ebenso bekämpfen. Kriegen die aber unter einen Hut. Weil rechter Populismus auf Zerstörung der Vernunft abzielt (Misik), die politische Bewirtschaftung kognitiver Dissonanz (Winkler) ist.

Die weiteren Fundstücke. Politik. Warum JD Vances illiberale Ideen nicht funktionieren werden. It's the economy, stupid!

Der Terminus 'Faschismus' ist ein schönes Beispiel dafür, was passiert, wenn ein ohnehin schon vieldeutiger Begriff zum politischen Kampfinstrument und vor allem zum Universalanwurf wird: Er bedeutet irgendwann irgendwie alles und nichts, erbärmlichstenfalls bloß etwas, das einem gerade irgendwie echt nicht passt. Soll man es wirklich ernst nehmen, dass zum Beispiel Menschen, die altmodischerweise darauf bestehen, dass Regeln eingehalten werden, sich gefallen lassen müssen, Faschisten genannt zu werden? Der Begriff Faschismus ist verbrannt, zum bloßen Slogan geworden, und damit völlig ungeeignet für die Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Rechten, meinen Nils Schniederjann und Sebastian Friedrich.

Passend dazu auch Henning Uhle.

Max Mutschler und Carlo Masala streiten über Aufrüstung.

Michael Miersch erläutert
, wie Israel vor allem seit dem 7. Ojtober 2024 zum Erzfeind der Menschheit erklärt wird.


Gernulf Olzheimer zum Finis Germaniae
.

"Deutschland, der schizoide Destruktionskatalysator, der sich mit Lust und Präzision die Klöten wegschießt, wenn er seine breitbeinige Breiabsonderung zelebrieren will, das Land der Richter und Henker, diese aus Prinzip unzivilisierte Aufmarschzone, die den Verzehr von Separatorenfleisch und die vielseitige Verwendung von Gas zur Leitkultur hochstilisiert, es wähnt sich immer dann kurz vor dem Untergang, wenn es nur einmal -- ah, Projektion! -- nicht den anderen eine reingehauen hat, sondern selbst beim Versuch mit der Fresse im Rinnstein landet. Irgendwo, meist von scharf rechts unten, heulen dann die Suppenkasper auf Sündenbocksuche, wer nur schuld sein kann, dass sie noch immer nicht die Weltherrschaft an sich gerissen haben. Finis Germaniae. [...] Warum kriegen wir, die armen Almans, nur so derbe eins rein, immer wieder und von allen Seiten, wo doch klar ist, dass wir allein schrilliardenfach stärker, klüger und so viel besser sind als alle diese restlichen Sturzgeburten zusammen?" (a.a.O.)

Für Cory Doctorow ist KI ein "umgekehrter Zentaur"
.

Kultur/Gesellschaft/Gedöns. Lütfiye Güzel und Stephan Muschick reden übers Ruhrgebiet. Da kenne ich mich ein bisschen aus.

Thomas Fischer über Jan Fleischhauer, Leo Fischer über Harald Martenstein et al.

"Rührend ist, dass sie von sich selbst nicht gelangweilt sind, dass sie sich wirklich noch als freche Früchtchen wähnen, die wider den Stachel löcken, als renitente Punks im Tweed-Jacket, während ihnen doch alle Umfragen die Mainstreamigkeit ihrer Ansichten attestieren. Alles, was sie wollen, ist ein bisschen Aufmerksamkeit [...]. Und ich bin rührselig genug, sie ihnen auch noch zu geben." (L. Fischer, a.a.O.)

Warum prallt an Markus Söder eigentlich alle Satire ab? Weil Söder den Satirikern geistig immer einen Schritt voraus ist. Weiß Bernhard Hiergeist.

Zwei Beiträge zur Causa Wenders -- Kinski: Für Bernd Rheinberg ist der Fall eine Machtprobe, Wortvogel erklärt anhand des Falls den aus heutiger Sicht absurden Zeitgeist der Siebziger.

Was die Serie 'The Bear' mit der Klimakrise zu tun hat, dröselt Simon Sahner auseinander.

Georg Seeßlen mit einem Tipp zur Hitzewelle: Sich in einem schattigen Biergarten gepflegt einen einhelfen. Und dann transpirierend transzendieren.

Musik. Daraus müsste unbedingt mal jemand eine Trash Metal-Version machen!


(Video im erweiterten Datenschutzmodus. Anklicken generiert keine Cookies.)


Sport. Peter Unfried über modernen Fußball als flachhierarchisches System. Merke: Auch die Superstars sind heute Teamplayer. 

Essen/trinken/gut leben. Interview mit Jürgen Dollase über seinen Ausstieg bei der FAS und den Zustand des deutschen Feuilletons.

"Wir halten uns für besonders frei -- und sind doch im Begriff, Qualität abzuschaffen. Sollen etwa große Zeitungen im Sport nur noch über die Kreisliga berichten, und das aus der Hand von absoluten Laien? [...] Überall verfeinert sich unser Qualitätsbewusstsein. Nur fürs Essen gilt das nicht. Hier gilt ganz simpel: »Ich bin auch als Ungeübter eben ich, und das ist eben meine Meinung.« So entsteht eine intellektuelle Verarmung, die auch in anderen Bereichen der Gesellschaft und Kultur um sich greift." (Dollase, a.a.O.)

Vincent Klink zur Mehrwertsteuersenkung. Mit den zu erwartenden Erlösen die deutsche Gastronomie retten zu wollen, kommt für ihn dem Versuch gleich, ein Leck in einem Supertanker mit Tesafilm flicken zu wollen.

Jörn Kabisch wohnt auf dem Land. Da ist es aber keineswegs ruhig. Vor allem nicht in tropischen Nächten.

Das Rezept. Zu meiner ersten Begegnung mit dem, was gemeinhin 'exotische' Küche genannt wird, kam es irgendwann in den 1970ern in Form der Bihunsuppe. Die gab es damals noch nicht aus der Dose, sondern nur als tiefgefrorenen Klotz zu kaufen und der Verzehr des meiner kindlichen Wahrnehmung zufolge höllenscharfen Gebräus war immer ein echtes Abenteuer. 

Die Entstehungsgeschichte ist, wenn sie nicht stimmt, sehr gut erfunden: Die aus Sachsen stammenden Brüder Seekts sollen 1958 auf Reisen in Indonesien an das Rezept gekommen sein. Bihunsuppe ist in Indonesien übrigens unbekannt, es gibt zwar eine Suppe namens Bihun Soto bzw. Soto ayam, aber die hat mit der hier bekannten kaum etwas gemein. Zurück in Deutschland ließen sie sich in Göttingen nieder und eröffneten 1960 die Indonesia Bar, in der sie ihre Suppe servierten. Der Erfolg war durchschlagend. Ein Paar soll einmal nachts aufgekreuzt sein und gesagt haben, sie seien extra für eine Bihunsuppe aufgestanden. So war der Werbeslogan "Dafür stehen Sie sogar nachts auf" geboren. Als die Nachfrage immer größer wurde, begannen sie in einer ehemaligen Schlachterei im größeren Maßstab für Rastaurants zu produzieren. 1971 dann kam ein Großauftrag eines örtlichen Warenhauses, dafür mieteten die Brüder eine nahegelegene Molkerei in Barterode an, firmierten fürderhin als 'Indonesia' und die Massenproduktion startete.

Authentisch oder nicht, hat Herr Westerhausen sich daran gemacht, Bihunsuppe aus frischen Zutaten zu bereiten. Hochskaliert könnte das für eine Party durchaus interessant sein.







Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Mit dem Absenden eines Kommentars stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zu. Zu statistischen Zwecken und um Missbrauch zu verhindern, speichert diese Webseite Name, E-Mail, Kommentar sowie IP-Adresse und Timestamp des Kommentars. Der Kommentar lässt sich später jederzeit wieder löschen. Näheres dazu ist unter 'Datenschutzerklärung' nachzulesen. Darüber hinaus gelten die Datenschutzbestimmungen von Google LLC.