Mittwoch, 28. Oktober 2026

Amtlicher Lichtblick?


Michael 'Bully' Herbigs Fortsetzung von 'Der Schuh des Manitu' ist ein fades Filmchen. Aber vielleicht gibt es doch Hoffnung.

Vor einem Vierteljahrhundert habe ich mir tatsächlich den Film 'Der Schuh des Manitu' im Kino angeschaut. Eigentlich mehr eine alberne Nummernrevue, war das so etwas wie ein letztes Aufzucken der Spaßgesellschaft der Neunziger, wo man alles irgendwie ironisch durch den Kakao zog und verwitzelte. Doch habe ich mich stellenweise durchaus amüsiert, fand aber, dass 82 Minuten auch wirklich genug waren. (Bin ich eigentlich der einzige, dem diese über-überlangen Filme gewaltig auf den Nerv gehen?) Knapp 25 Jahre später kam die Fortsetzung namens 'Das Kanu des Manitu' in die Kinos und ich konnte mich beherrschen. Als ich aber letztens so durch Netflix stöberte und ich gewahr wurde, dass sich das streamen ließ, siegte meine Neugierde. Zumal auch dies  Werkchen deutlich kürzer ist als neunzig Minuten, die dafür geopferte Restlebenszeit sich also im vertretbaren Rahmen halten würde.

Samstag, 24. Oktober 2026

Jenseits der Blogroll - 10/2026


"Wie schaffen es gute Deutsche eigentlich, immer dann konsequent wegzusehen, wenn sie besonders genau hingucken sollten? Ist das Dummheit, Bösartigkeit oder die menschliche Anfälligkeit für eschatologische Religionen, vom Christentum über Homöopathie bis zum FC St. Pauli, die sie oft so blind macht? Lieben sie als linke Schöngeister -- gelangweilt von ihrem Kleinmädchen-Idealismus -- heimlich das Böse? Haben sie Angst, eine wichtige Party zu verpassen?" (Maxim Biller)

Berechtigte Frage. Bevor wir uns, werte Lesys, da der Monat sich bereits wieder in seine letzte Woche neigt, den Links und Frundstücken widmen, möchte ich es nicht versäumen, dem Kollegen Kiezschreiber alles Gute zu wünschen. Sie werden verdammt noch mal noch gebraucht, Bonetti!

Donnerstag, 22. Oktober 2026

Entpolitisierung als Kalkül?


Ein Gastbeitrag von gerdos

Zur Einstimmung ein paar nüchterne Daten:

'Schlagerboom -- Alles funkelt! Alles glitzert!' (ARD 19.10.2024, 20:15 live. Einschaltquote mit 3,88 Mio. mäßig (2016 noch über 6 Mio.) Wiederholungen auf WDR und MDR 20:15 bis 23:35 Uhr
'Schlagerboom Open Air 2025' (21. Juni 2025 um 20.15 Uhr in der ARD, Generalprobe am 20. Juni, die Sommer-Show findet unter freiem Himmel statt.)
'Schlagerboom -- Alles funkelt, alles glitzert' (18. Oktober 2025 um 20.15 Uhr in der ARD, Generalprobe am 17. Oktober, Wiederholungen bei WDR und MDR 20:15 bis 23:35 Uhr)
'Das Adventsfest der 100.000 Lichter' mit den üblichen Verdächtigen wie Andrea Berg, Simone Thomalla, Ella Endlich, Thomas Anders, DJ Ötzi, Howard Carpendale, Semino Rossi, Vanessa Mai, Stefanie Hertel, Andy Borg, Ross Antony, Joe Kellys Familie und anderen (ARD, 29.11.2025, 20:15 bis 23:35)

Dienstag, 20. Oktober 2026

Vermischtes und Zeugs (CLXII)


Zu meinen Schulzeiten in den Achtzigern waren einige aus meiner Jahrgangsstufe in der Jungen Union. Das waren größtenteils Uncoole. Mit einem war ich aber tatsächlich privat befreundet, weil wir beide einen ähnlichen Musikgeschmack hatten sowie eine beginnende Vorliebe für gutes Essen und trockenen französischen Landwein teilten. Das funktionierte aber nur, wie wir sehr bald herausfanden, solange wir die Politik heraushielten. Die meisten JU-Typen bei uns erinnerten phänotypisch an jene gestylten Wichtigmenschen, die ein paar Jahre zuvor noch 'Popper' genannt worden waren (Ulf Poschardt war übrigens mal einer): Pullover über der Schulter, von Sylt labernd und die Welt mit Börsenkursen, ihren Finanzplänen und ihrer grenzenlosen Bewunderung für Helmut Kohl nervend.

Freitag, 16. Oktober 2026

State of the Union


Normalerweise winke ich genervt ab, wenn es pauschal gegen "die Politiker" geht. Denn "die Politiker" sind ja nicht nur die, die wohlbesoldet im Bundestag und in den Landtagen sitzen, sondern auch die vielen ehrenamtlichen Ortsbürgermeister und Gemeinderäte, die das neben dem Beruf machen, einiges an Freizeit und Zeit mit der Familie opfern für eine Aufwandsentschädigung, für die man vielleicht mal essen gehen kann und inzwischen auch nicht selten bedroht werden. 

Montag, 12. Oktober 2026

Vermischtes und Zeugs (CLXI)


Austern sind schon ein interessantes Lebensmittel. Vor der Erfindung moderner Kühltechnik waren sie gleichzeitig Luxusfutter und Arme-Leute-Essen. An der Küste waren die Mollusken massenhaft verfügbar und spottbillig, im Binnenland, wo durch Verderb auf dem tagelangen Transport nur wenige essbare Exemplare ankamen, hingegen sauteuer. Die Regel, Austern nur in Monaten mir 'r' zu essen, hat sicher damit zu tun, dass im Sommer der Transport der nicht konservierbaren Muscheln auch mit teurem Stangeneis quasi gar nicht machbar war.

Mittwoch, 7. Oktober 2026

Tag der Schande

 
"Leute, denen der Nahe Osten normalerweise am Arsch vorbeigeht, die aber jedes Mal in helle Aufregung verfallen, wenn Israel involviert ist, und sei es am Rande, haben offenbar ein Problem mit Juden." (Hannes Stein)

Heute jährt sich der Tag der Schande zum dritten Mal. Am 7. Oktober 2023 drangen 'Kämpfer' der Hamas auf israelisches Territorium vor und massakrierten, folterten, entführten, vergewaltigten und verstümmelten Israelis, die dort lebten, arbeiteten, feierten.. Knapp 1.200 verloren auf teils entsetzliche Weise ihr Leben, etliche Überlebende und ihre Angehörigen tragen noch heute an den Folgen und werden es noch weiterhin tun. Niemals seit der Shoah wurden so viele Jüd:innen an einem Tag getötet. Wie man derartig entgrenzte Brutalität ernsthaft als heroischen Akt der Befreiung feiern kann, zumal als Einwohner:in einer Weltgegend, in der sich's immer noch recht kommod und vergleichsweise sicher leben lässt, ist mir bis heute schleierhaft. Und wird es wohl bleiben.

Montag, 5. Oktober 2026

Irgendwie autobiographisch


Derzeit zwingt die Erwerbsarbeit mich zu täglichem Autofahren. Ein Weg knapp 20 Kilometer. Gibt Schlimmeres. Sicher könnte ich auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, aber weil das hier das Ruhrgebiet ist, brauchen die Öffis für den Hinweg etwa die dreifache Zeit, für den Rückweg die dreieinhalbfache. Ich hätte aber gern noch ein wenig Privatleben, wenn sich's einrichten lässt. Unterwegs höre ich wegen der kurzen Fahrzeit keine Podcasts oder Hörbücher, sondern Deutschlandfunk oder Deutschlandfunk Kultur. Wobei ich aber immer öfter den Drang verspüre, ins Lenkrad zu beißen. 

Freitag, 2. Oktober 2026

Vermischtes und Zeugs (CLX)


"Das Problem mit der CDU ist: Die wollen nix. Du kannst mit denen nicht verhandeln. Weil sie ja selbst keine Forderungen haben. Es soll einfach alles nur so bleiben, wie es ist." (ungenannter SPD-Abgeordneter)

Sich die zweite Staffel der Dokumentation 'Inside CDU' anzusehen ist insofern lohnend, als dass sie etwas belegt, das viele schon länger ahnen und eigentlich auch alle sehen konnten, die das wollten: Die Unionsparteien sind inhaltlich und programmatisch völlig blank. Sie kennen nur weiter so, keine Experimente und perpetuieren bloß noch ihre Lebenslügen: Wir sind wirtschaftskompetent, solange wir regieren, herrscht Ordnung, wir können mit Geld umgehen, nur wir wissen, wie Verantwortung geht. Solange die CDU gewohnheitsmäßig Ergebnisse von 30 bis 40 Prozent einfuhr, war das auch kein Problem. Aber jetzt, da sie vielleicht zum ersten Mal in ihrer Geschichte wirklich sagen müsste, was konservativ heißt in diesen Zeiten, eigentlich ja eine sehr spannende Frage, ist sie völlig hilflos. Das Problem der CDU reicht also deutlich weiter als zur Bürotür von Friedrich Merz.

Montag, 28. September 2026

Vermischtes und Zeugs (CLIX)


Böll hatte schon recht, das mit der Leistungsgesellschaft ist eine arge Quatschveranstaltung. Das lässt sich problemlos an mehreren Dingen ablesen. Etwa daran, dass viele Berufe, in denen definitiv sehr viel Leistung gebracht wird, keineswegs leistungsgerecht entlohnt werden. Wenn Menschenleben und Menschenwürde wirklich die höchsten Güter wären, müssten Pflegekräfte Spitzenverdiener sein. Oder dass viele, darunter etliche, die dauernd von Leistungsgesellschaft reden, eigentlich gar nicht dazu gehören wollen, sondern nur auf der Suche nach Wegen sind, sich irgendwie aus ihr zu verabschieden. Lottogewinn, Erbe, möglichst früher Renteneintritt, paar Jahre hart schuften, sich dann zur Ruhe setzen etc. Dazu, es erstrebenswert zu finden, sich 40, 45 Jahre lang krank zu rackern, währenddessen vielleicht noch per Immobilienerwerb auf Kredit sich 30 Jahre an eine Bank zu ketten, muss der Mensch erst konditioniert werden.

Samstag, 26. September 2026

Lechts, rinks, Doppelmoral


Vorletzte Woche habe ich noch die Prognose gewagt, dass Ulrich Siegmund Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt würde. Nach momentanem Stand der Dinge ist das wohl schlecht gealtert. Es scheint so, als wolle die 'A'fD gar nicht regieren. Das Problem ist doch: Alle Erfolge der letzten 13 Jahre beruhten darauf, dass der Verein von der Seitenlinie aus gepöbelt und destruktiv herumgetrollt hat. Das ist etwas völlig anderes als plötzlich wirklich politische Verantwortung zu übernehmen. Dass die Grünen es in Parlamente und Regierungen geschafft haben, verdanken sie auch dem Realstpolitiker Joschka Fischer. Der hatte seiner Partei schon in den Achtzigern erklärt, auch ein grüner Innenminister, der vor Jahren vielleicht noch Transparente herumgetragen habe mit der Aufschrift, dass man Polizeibeamte bitte plattieren solle, bis sie aussähen wie Butterbrote, müsse als oberster Dienstherr der Polizei die Beamten im Notfall zu exakt so einer Demo losschicken. 

Donnerstag, 24. September 2026

Jenseits der Blogroll - 09/2026


Man gestatte mir an dieser Stelle ein paar Worte zum unten an erster Stelle verlinkten Beitrag. Die Tendenz, dass absolut niemand mehr für irgendeine Entscheidung, irgendein Verhalten, wie krass auch immer, verantwortlich sein soll und auch niemandem irgendwelche Konsequenzen zumuten sind, wie begründet und moderat auch immer, geht mir schon länger auf den Keks. Immer ist irgendwer oder irgendwas anderes schuld: die Gesellschaft/das Scheißpatriarchat/das leidige Machtgefälle/die Grünen und ihr Klimafetisch/die harte Kindheit/der verlogene Westen/die imperialistischen USA/die Globalisten, aberdasdarfmanjanichtsagen/die Systemmedien/das faschistoide Jobcenter etc. Und wenn alles nicht mehr hilft, der Dreckskapitalismus, dessen Annehmlichkeiten man aber ansonsten gern in Anspruch nimmt.

Dienstag, 22. September 2026

Landtagswahlen Berlin/MV 2026 - 8 Thesen


1. Die Mitte erodiert weiter.
Es mag eine Plattitüde sein, aber bei allen Unterschieden können beide Wahlergebnisse als weiterer Beleg dafür dienen, dass die bürgerliche Mitte der 'alten' Bundesrepublik, die parlamentarisch vor allem durch CDU, SPD und Grüne repräsentiert wurde (die FDP spielt bis auf weiteres wohl keine Rolle mehr), zunehmend in die Defensive gerät. Parteien wie die 'A'fD, Teile der Linken und das BSW, die Teile des bundesrepublikanischen Grundkonsens infrage stellen, gewinnen an Einfluss und kratzen aufsummiert in den neuen Ländern bereits an der absoluten Mehrheit. Wenn man sich vor Augen führt, dass das ein Trend ist, der schon länger in vielen Ländern zu beobachten ist und dass eine weitere von den USA ausgehende Weltwirtschaftskrise drohen könnte, dann braut sich da möglicherweise ein perfekter Sturm zusammen.

Sonntag, 20. September 2026

Farbenlehre


Cephalopoden wie Kalmare, Sepien und Oktopoden, zu denen auch ein gewisser Squishy Nobones gehört, verfügen über Chromatophoren und sind daher in der Lage, Struktur und Farbe ihrer Haut quasi beliebig zu verändern. Das macht sie zu echten Experten in der Farbenlehre. Im Gegensatz zu einer Partei, die das nur von sich behauptet. Das Video erscheint hier auch, weil ich dem moppernden Mollusken deutlich mehr Aufmerksamkeit wünsche.

Donnerstag, 17. September 2026

Auf der Brennsuppe


Am Wahlsonntag in Sachsen-Anhalt postete Ulrich Siegmund oder sein Social Media-Team auf instagram ein Foto, das ihn und seine Frau in der Mittagspause zeigen. Es gab Spirelli mit Wurstgulasch, dazu Coca Cola und geriebener 'Gut & Günstig leicht'-Gouda (es hätte noch gefehlt, dass ein Simson-Mopped quer durchs Bild gebröttert wäre). Das war natürlich geschickt gemacht. Verbindet Ost-Identität und DDR-Nostalgie mit zartem Winken gen Westen. Ein Essen wie Spirelli mit Wurstgulasch erinnert zwar an Schulspeisung, ist aber auch im Westen anschlussfähig, deutlich anschlussfähiger als z.B. Soljanka. Coladosen, günstiger Edekakäse sowie die Tatsache, dass kein Gewese mit Servierschüsseln etc. gemacht wird, spiegeln die alltägliche gesamtdeutsche Erfahrungswelt jener breiten Mehrheit, die nicht im Bioladen einkauft.

Montag, 14. September 2026

Vermischtes und Zeugs (CLVIII)


Ulrich Siegmund, Wahlsieger in Sachsen-Anhalt, hat bei einer Pressekonferenz jetzt ganz offen gesagt, Waffen und andere Rüstungsgüter könnten bei der Duchführung der geplanten Remigrationsaktionen sehr hilfreich sein. Was braucht die bräsige Mitte eigentlich noch, um sich endlich mal zu einem Prüfverfahren aufzuraffen? Oder wollen wir noch warten, bis in Sachsen-Anhalt Bürgerwachten patrouillieren. Die dann, der infantile Hohoho Humor des Vereins ist inzwischen hinlänglich bekannt, vermutlich 'Sicherheitsservice SachsenAnhalt' oder so heißen würden (die Abkürzung darf ein:e jede:r sich selbst zusammenklöppeln).

Donnerstag, 10. September 2026

Alarm im Abo

 
Wer im Bildungswesen arbeitet, legt sich beizeiten lieber einen gesunden Zynismus zu, um nicht irgendwann durchzudrehen. Denn auf alle Sonntagsreden, in denen die Rede ist davon, die Köpfe unserer Kinder seien unser wertvollstes und wichtigstes Kapital und alle Anstrengungen und yaddayadda, folgt garantiert der Montag, an dem verkündet wird, dass irgendwo wieder Mittel gekürzt werden, kein Geld da ist, Projekte auslaufen etc. Man braucht im übrigen auch keine aufwändigen Studien, um herauszufinden, dass mit einem Schulsystem, das pro Jahr bis zu 64.000 junge Menschen ohne Abschluss entlässt, irgendwas faul sein muss.

Montag, 7. September 2026

Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026 - 10 Thesen


"Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD." (Christian Lüth, 'A'fD)

1. Das bürgerliche Zeitalter neigt sich dem Ende.
Fast die Hälfte der Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt hat für eine Partei gestimmt, die gegen jede Vernunft 'Remigration' genannte Massendeportationen will, nötigenfalls mittels "wohltemperierter Grausamkeit", und auch sonst dem Drangsalieren von Minderheiten alles andere als abgeneigt ist, Fakten weitgehend ignoriert, hemmungslos Vetternwirtschaft betreibt, Lehrkräften an Schulen einen Maulkorb verpassen, für Kultureinrichtungen Gesinnungs-TÜV und Patriotismuspflicht einführen, die Schulpflicht abschaffen, das staatliche Gewaltmonopol zugunsten von 'Bürgerwehren' aufweichen, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen und die Westintegration der Bundesrepublik Deutschland beenden will.

Donnerstag, 3. September 2026

Vermischtes und Zeugs (CLVII)


Mag die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag auch glimpflich ausgehen, weil eine absolute Mehrheit der 'A'fD noch einmal verhindert werden konnte, ändert das am grundlegenden Problem der Parteienlandschaft nichts: Der Erfolg der Dixiklos zwingt die übrigen Parteien in Koalitionen, deren einziger gemeinsamer Nenner ist, eine blaubraune Regierung(-sbeteiligung) irgendwie zu verhindern. Eine solide Basis ist was anderes, zudem bekommt durch solche Konstellationen das rechte Narrativ vom korrupten Altparteienkartell, das sich voll undemokratisch gegen den Volkswillen verschworen habe, weiteres Futter. Catch-22.

Montag, 31. August 2026

Ost-westlicher Divan


Ost-West-Debatten finde ich meist ermüdend, weil sie kaum Erkenntnis bringen. Ossis breiten ihre schlimmen Erfahrungen aus, Wessis kontern mit dem Vorwurf der Undankbarkeit. Ich denke schon, dass die Radikalität des Umschwungs im Osten nach 1990 und dessen Auswirkungen auf die Menschen leicht zu unterschätzen sind, so man es nicht selbst erlebt hat. Wer aber daraus ableitet, nur 'Betroffene' hätten das Recht, sich dazu zu äußern und anderen das Wort abschneidet, sich aber gleichzeitig beklagt, ja nichts mehr sagen zu dürfen, sollte sich nicht wundern, nicht für voll genommen zu werden.