Mittwoch, 28. Januar 2026

Jenseits der Blogroll - 01/2026

 
"Wenn wir zu hoffen aufhören, kommt, was wir befürchten, bestimmt." (Ernst Bloch)

Als ich Ende 2017 diese Rubrik vom Stapel und in die Welt ließ, frug ich mich noch jedes Mal: Hui, wirst du überhaupt genügend Material zusammenbekommen? Inzwischen geht einiges an Zeit dafür drauf, jede Menge wieder auszusortieren, erst recht in politisch so bewegten Zeiten wie diesen. Scheint aber gut anzukommen. Die monatliche Linksammlung bekommt  regelmäßig hohe und höchste Klickzahlen. Dieses Mal ist übrigens ungewohnt viel Feuilleton dabei. Warum? Keine Ahnung. Das nur als Vorwarnung.

Sonntag, 25. Januar 2026

Vermischtes und Zeugs (CXXXVIII)


Bei der Union demonstrieren sie wieder einmal eindrucksvoll ihre Wirtschaftskompetenz und ihr Talent für Realitätsverweigerung. Teile der CDU sähen nämlich gern den Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit abgeschafft. Das würde Arbeitgebern die Möglichkeit eröffnen zu sagen: Entweder Vollzeit oder kein Job. Ausnahmen soll es nur noch geben im Fall von Kindererziehungspflichten oder Pflege von Angehörigen. Abgesehen davon, dass Deutschland eine der höchsten Unterbeschäftigungsquoten Europas hat, was ein sicherer Indikator dafür ist, dass viele gern Vollzeit arbeiten würden, dies aber, meist aus exakt den beiden genannten Gründen nicht können und dass viele Jobs inzwischen eh nur mehr in Teilzeit ausgeschrieben werden, sodass das mit der unionsseitig beklagten 'Lifestyle-Teilzeit' wohl eher ein Popanz ist, um Arbeitnehmer:innenrechte weiter zu beschneiden:

Samstag, 24. Januar 2026

Frage am Rande


Was ich mich schon länger frage: Wie ist das eigentlich so als Fan von Bayern München? Jener Übermannschaft, die den Meistertitel, von einem Ausrutscher abgesehen, seit zehn Jahren quasi abonniert hat, in dieser Saison bislang jeden Gegner aus dem Stadion geschossen hat, schon jetzt, am 18. Spieltag, komfortable elf Punkte vorn liegt und deren größte Herausforderung für den Rest der Saison sein dürfte, die Spannung für die Champions League hochzuhalten. Sollte also während der Restsaison kein Meteorit an der Säbener Straße während des Trainings einschlagen und den gesamten Kader ausschalten, wodurch der FCB gezwungen wäre, mit einer B-Garnitur anzutreten (aber auch das müsste nichts heißen), können sie in München schon mal in aller Ruhe die nächste Meisterfeier vorbereiten.

Donnerstag, 22. Januar 2026

Chickening Out


Dass die USA, wie vom Donald Trump postuliert, unbedingt Grönland annektieren müssten wegen der Rohstoffe und der überragenden strategischen Lage, ist natürlich völliger Kokolores. Wie immer ging es Trump allein ums Prestige und ums Habenwollen. Darum, aufstrebenden Mächten wie China zu zeigen, wer den längeren Hebel hat. Trump will als der GröPaZ in die Geschichte eingehen. Friedensnobelpreisträger, YÄY! Ausrichter der besten Fußball-WM ever, BÄM! Als derjenige, der das Territorium der USA vergrößert hat wie noch niemand vor ihm, POW! Der Putin zeigt, wie Neoimperialismus geht, BIFF! Captain America strikes again, ZOW!

Montag, 19. Januar 2026

Vermischtes und Zeugs (CXXXVII)


Im 'Freitag' beklagte Pepe Egger jetzt, Friedrich Merz habe bei seiner Neujahrsansprache den Osten ganz vergessen und damit das halbe Land vor den Kopf gestoßen. Ähhh... nein. So leid es mir tut, einfach nein. Nada. Nope. Niente. Laut aktuellen Zahlen hat 'der Osten', womit normalerweise die fünf nicht mehr ganz neuen Länder abzüglich Berlin gemeint sind, zirka 12,4 Millionen Einwohner. Das ist bei einer Gesamtbevölkerung von 83,5 Millionen niemals, nie, nicht, nicht einmal beim allerbestmöglichen Willen die Hälfte, sondern gerade einmal etwas mehr als ein Achtel, genauer: knapp 15 Prozent. 

Samstag, 17. Januar 2026

Verlorener Faden


Dank des überaus ferdienstfollen Fernsehsenders Arte gibt es bis Ende des Jahres Gelegenheit, 'Twin Peaks' noch einmal anzuschauen, jene von David Lynch und Mark Frost kreierte und produzierte Fernsehserie, die völlig zu recht als Meilenstein des Genres gilt und vieles vorwegnahm, was heute längst selbstverständlich ist. Es steht daher zu befürchten, dass Jüngere damit vermutlich nur wenig anfangen können. Natürlich war es 1990 nicht neu, Dunkles und Abgründiges filmisch zu verhandeln, auch eine Erkenntnis wie die, dass hinter der Fassade bürgerlicher Wohlanständigkeit nicht selten das nackte Grauen lauert, war alles andere als bahnbrechend. Aber dergleichen fand üblicherweise im Kino statt. Fernsehserien galten gemeinhin als mehr oder minder seichte Unterhaltung. Und Seriendarsteller waren nicht selten Schauspieler, deren Karrieren sich dem Ende neigten oder stagnierten oder die dringend Geld brauchten.

Mittwoch, 14. Januar 2026

Merz und die Mullahs


Sicher ist da natürlich gar nichts, aber es könnte sein, dass ich in diesem Leben noch mitbekomme, wie im Iran ein Revolutionsregime von einem anderen Revolutionsregime wieder abgelöst wird. Das wäre kein Grund zur Trauer. Immer mehr Iraner:innen haben nach zirka 45 Jahren offenbar die Nase voll von einer Oligarchie religiöser Fundamentalisten, die ihnen in die private Lebensführung hineinregiert und sie mit immer weniger Erfolg zu einem gottgefälligen Leben nötigen will, während immer mehr verarmen. Letzteres dürfte der wichtigste Grund sein für die in immer kürzeren Abständen erfolgenden Protestwellen im Iran, auf die Mullahs immer schlechter den Deckel bekommen. 

Samstag, 10. Januar 2026

Vermischtes und Zeugs (CXXXVI)


FIFA-Supremo Gianni Infantino will bei der anstehenden Fußball-WM feste Trinkpausen in der Mitte jeder Halbzeit einführen, und zwar unabhängig vom Wetter. Das hat natürlich absolut nichts zu tun mit Sorge um die Gesundheit der Spieler. Erstens ist nicht bekannt, dass Spieler auch bei hohen Temperaturen reihenweise wegen Dehydrierung umgekippt wären und zweitens dürfen Spieler mit Erlaubnis der Schiedsrichter schon jetzt was trinken, wenn die Bedingungen entsprechend sind. Das ganze dient lediglich dazu, zwei Mal öfter pro Spiel Werbespots schalten zu können. 

Donnerstag, 8. Januar 2026

Lernen vom Ancien Régime


Man kann sich gewiss täuschen, aber es sieht so aus, als hätten vor allem Konservative/Rechte ein echtes Händchen dafür, in Katastrophen- und Krisensituationen so rüberzukommen, als ginge sie das alles nicht wirklich was an und nicht zu kapieren, wieso ausgerechnet Wichtigmenschen wie sie sich zum Pöbel herabbegeben sollen. Und sich damit ohne Not um Wahlchancen bringen. Nach Lokalpatriot Stoiber und Schmunzelmuffe Laschet (international ließen sich zum Beispiel noch George W. 'Flyover' Bush oder Melania 'I really don‘t care' Trump erwähnen) hat jetzt der Berliner Bürgermeister Wegner (CDU) sein PR-Desaster am Start, das ihn vermutlich die Wiederwahl kosten wird.

Sonntag, 4. Januar 2026

Unkomplex


Würde das Weltgeschehen wenigstens zu Beginn des Jahres so freundlich sein, unsereins armen Bloggern, die angetreten sind, selbiges ein wenig einzuordnen, eine Chance zu geben, mal kurz durchzupusten? Erst schneidet angeblich ein Haufen verpeilter Salonrevolutionäre 50.000 Berliner Haushalte von der Stromversorgung ab und glaubt vermutlich ernsthaft, das Schweinesystem damit kippen zu können (das Kapital in New York, Frankfurt und London ist erfahrungsgemäß immer schwerst beeindruckt und schlottert vor Angst, wenn irgendwo bei einer Demo Autos brennen oder Menschen in ihren Wohnungen zu erfrieren drohen), dann lässt Trump mal eben den venezolanischen Präsidenten Maduro hopsnehmen und in den USA einknasten. 

Freitag, 2. Januar 2026

Vermischtes und Zeugs (CXXXV)


Mit dem Jahreswechsel wäre auch das alljährliche Hickhack um ein Böllerverbot wieder glücklich überstanden. Glaubt man Umfragen, dann ist inzwischen eine Mehrheit der Bevölkerung arg genervt von der Knallerei. Die Argumente sind auch jedes Jahr dieselben. Hie: Angst! Gefahr! Feinstaub! Denkt denn keiner an die Kinder/Tiere! Dort: Tradition! Ich lasse mir von diesem linksgrünen Nanny-/Verbotsstaat nicht meinen Spaß zu Silvester nehmen! (Wobei ein öffentliches Gesundheitswesen, das infolge eigener Doofheit zerfetzte Flossen ohne Mehrkosten wieder zusammenflickt und eine Stadtreinigung, die Tags drauf den ganzen Dreck wegmacht, natürlich gern genommen werden.)

Dienstag, 30. Dezember 2025

2025 - abgehakt


So denn, liebe Lesys und Lesende, das Jahr wäre fast geschafft und es ist an der Zeit für den kleinen bloginternen Rückblick. Mit dem ganz großen Rad, von wegen, was für ein verrücktes Jahr das doch wieder gewesen und wie schnell das wieder vorbei gewesen sei, habe ich normalerweise nichts am Hut. Aufmerksamen Dauergästen wir aber eventuell nicht entgangen sein, dass es im Laufe dieses Jahres drei größere Änderungen gab:

Mittwoch, 24. Dezember 2025

Jenseits der Blogroll - 12/2025


Es ist, werte Lesende, eine Art Tradition geworden, dass die letzte Linksammlung des Jahres tagsüber am Heiligabend erscheint, quasi um die Weihnachtsfeierlichkeiten einzuläuten. Und auch heuer lege ich mir keine Beschränkungen auf a'la "Puh, ist das nicht ein wenig viel?", sondern haue gnadenlos alles raus. Es muss ja niemand alles anklicken. Alles kann, nichts muss. Bevor wir in medias res schreiten, möchte ich es aber nicht versäumen zu erwähnen, wie sehr es mich freut, dass Käpt'n Kurbjuhn, Nordhesse in Berlin vom Dienst, wieder auf Brücke ist. Und, Obacht, inzwischen ist er sogar bewaffnet (in Berlin vielleicht keine grundsätzlich schlechte Idee). Wehe also dem unglückseligen Köchlein, das es in Zukunft wagen sollte, inferiores Essen aufzutischen.

Sonntag, 21. Dezember 2025

Vermischtes und Zeugs (CXXXIV)


In Kochrezepten ist gelegentlich zu lesen "Saft von 1 Bio-Zitrone". Was soll das? Ist es nicht meine Entscheidung, ob ich Bio-Zitronen verwende oder nicht? Dass man, wenn man Zitronenschale benötigt, besser zu unbehandelter Bio-Ware greifen sollte, ist natürlich sinnvoll. Aber, frage ich mich, was passiert, wenn man nicht den Saft einer Bio-Zitrone verwendet, sondern einer popligen Normalozitrone? Etwa weil man gerade keine zur Hand hat. Schlimme Dinge? Fällt eine Finsternis über die Welt? Göttliche Plagen? Wird Alice Weidel Kanzlerin? 

Donnerstag, 18. Dezember 2025

Zum Bund?


Natürlich ist dem Kollegen Sasse recht zu geben, wenn er sagt, Schulen würden mit Gründen den Teufel tun, Kindern und Jugendlichen frei zu geben, um gegen die Wehrpflicht zu demonstrieren und auch keine elterlichen Entschuldigungen deswegen zu akzeptieren. Natürlich kann man einwenden, es gönge schließlich um ein ehrenwertes, edles Ziel. Aber das nehmen im Zweifel alle für sich in Anspruch. Was, wenn irgendwo eine Mehrheit der Schüler:innenschaft einer Schule gegen 'unkontrollierte Massenmigration' demonstrieren will und dafür frei haben will? 

Sonntag, 14. Dezember 2025

Gelernt ist gelernt


Zwar ist der Nikolaustag schon ein paar Tage her, aber man kann durchaus einmal daran erinnern, dass es Zeiten gab, in denen der heilige Mann teils ein Exektutivorgan der schwarzen Pädagogik war. Es gab Familien, in denen den Kindern schon Monate im Voraus Angst gemacht wurde: Na warte, wenn der Nikolaus kommt! Der weiß alles über dich, der sieht im Himmel alles und schreibt das in sein goldenes Buch! Hei, das wird was werden! Wenn der große Tag dann gekommen war, wurden unbraven Kindern ihre Verfehlungen in Coram publico unter die Nase gerieben und es setzte was mit der Rute. Zum Schluss mussten die Kinder noch ein Gedicht aufsagen. Als kleines Dankeschön für diese erzieherische Maßnahme, die schließlich nur zu ihrem Besten war. 

Mittwoch, 10. Dezember 2025

Vermischtes und Zeugs (CXXXIII)


Dass die US-amerikanische Regierung die EU hasst, sollte diese eigentlich als Kompliment nehmen. Das ist nämlich ein Zeichen, dass sie hervorragend funktioniert. Weil sie für vieles steht, das Leute wie Trump und Musk abgrundtief hassen. Für die künftigen Welthegemone kann es kaum Besseres und Erstrebenswerteres geben als ein Europa, das wieder in 28 mittlere bis kleinere Einzelstaaten zersplittert ist, die sich alle gegenseitig in Sachen Steuern, Löhne, Sozial- und Sicherheitsstandards unterbieten und in jeder Hinsicht gegeneinander ausgespielt und geknechtet werden können. Und am besten verschwönde dieser lästige Euro gleich mit.

Samstag, 6. Dezember 2025

Eventisiert


Heuer nach mehreren Jahren Pause mal wieder auf dem Weihnachtsmarkt am Schloss Raesfeld gewesen. Ich bin ja kein prinzipieller Gegner von Weihnachtsmärkten, sondern nur von welchen, die fast ausschließlich Made in China-Ramsch verhökern und ansonsten Ballermänner mit anderen technischen Mitteln sind, auf denen die Partymassen zu Stumpfa!-Stumpfa!-Musik mit alkoholischen und aufgespriteten Heißgetränken sich bedröhnen. In Raesfeld war ich das erste Mal Mitte der Nuller. Schon damals hat mir nicht nur die hübsche Umgebung um das alte Schloss gefallen, sondern auch, dass es viele Stände mit wirklich qualitätvollem Kunsthandwerk gab. Und dass nirgends Gruselkitschmusik aus der Konserve gedudelt, sondern ausschließlich live dargeboten wurde. Dafür berappte ich gern die moderaten zwofünfzig Eintritt.

Mittwoch, 3. Dezember 2025

Pegasus wiehert


"Wieder zu schreiben versucht, fast nutzlos." (Kafka)

Man kann immer Glück oder Pech haben im Leben. Bekanntlich hatte Franz Kafka seinem engsten Freund Max Brod testamentarisch aufgetragen, all seine Arbeiten zu verbrennen. Das bezog sich natürlich nicht auf die schon veröffentlichten Werke, sondern auf private Aufzeichnungen, Briefe und Skizzen. Da Kafka keinen seiner Romane beenden konnte, wären die Manuskripte vermutlich ebenfalls ein Raub der Flammen geworden. Zum Glück für die Weltliteratur entschied Brod, den letzten Willen des Freundes zu übergehen. 

Sonntag, 30. November 2025

Vermischtes und Zeugs (CXXXII)


Früher, als das Internet nur was für ein paar Nerds war, kaufte ich als Student allmontäglich den Spiegel und manchmal donnerstags, wenn das Geld noch reichte, die Zeit. Zusätzlich kehrte ich einmal in der Woche in der Cafeteria der Essener Stadtbibliothek ein, wo die beiden italienischen Betreiberinnen nicht nur hervorragenden Cappuccino zum Kampfpreis brauten, sondern auch alle wichtigen überregionalen Zeitungen zur freien Lektüre auslagen (sogar rauchen durfte man dort). Das war, abgesehen vom Fernsehen, mein gesamter Medienkonsum. Nicht gerade viel im Vergleich zu heute. Schon damals jammerten Konservative übrigens in Endlosschleife über den öffentlich-rechtlichen 'Rotfunk' herum, den Vorläufer der 'linksgrünen Systemmedien'.